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Freiheit durch Erwachsenwerden

IBG Experte, Arbeitspsychologe und Psychotherapeut Tobias Glück spricht in seinem neuen Buch „Erwachsen. Die Muster, Prägungen und Erwartungen unserer Kindheit – und wie wir uns von ihnen befreien können“ über die Bedeutung der Kindheit für unser späteres Leben. In Interviews mit „Der Standard“ und „Die Presse“ erklärt er, dass das Erwachsenwerden mehr ist als das Erreichen eines bestimmten Alters; es ist ein Prozess des inneren Wachstums.

Kindheit und ihre Prägungen

Unsere Kindheit hinterlässt Spuren, die uns begleiten. Viele Menschen leben als Erwachsene noch nach Regeln und inneren Stimmen aus der frühen Lebensphase – dazu zählen Glaubenssätze wie „Sei brav“, „Mach es allen recht“ oder „Streng dich mehr an“. Diese Muster beeinflussen den Alltag, Beziehungen und das Berufsleben.

Der Prozess der Befreiung

Im Zentrum des Buches steht die Idee, dass Erwachsenwerden Befreiung bedeutet: Die eigenen Prägungen erkennen, reflektieren und bewusst verändern. Es geht nicht darum, die Kindheit zu verdrängen, sondern sie anzunehmen, ohne sich von ihr weiterhin bestimmen zu lassen.

Bedeutung für das Arbeitsleben

Glück hebt hervor, dass diese Auseinandersetzung für die persönliche und berufliche Entwicklung wichtig ist. Menschen, die sich mit ihren Mustern beschäftigen, treten authentischer auf, kommunizieren gesünder und sind widerstandsfähiger gegenüber Belastungen – gerade im Arbeitskontext ein großer Vorteil.

Praktische Impulse

Das Buch liefert nicht nur Theorie, sondern gibt konkrete Anregungen und Methoden, um Schritt für Schritt mehr innere Freiheit zu gewinnen. So wird das eigene Leben und das Miteinander am Arbeitsplatz erleichtert.

Resümee: „Erwachsen“ lädt dazu ein, sich selbst besser zu verstehen, alte Muster zu lösen und selbstbestimmt zu leben. Dieser Ansatz ist sowohl für die persönliche Gesundheit als auch im Beruf von großer Bedeutung.

Wie Wandern die Gesundheit fördert…

… und uns Zeit ohne PC, Notebook und Handy schenken kann.

Wandern ist eine vielseitige Sportart für jedes Alter mit positiven Effekten auf unseren gesamten Organismus.

Regelmäßiges Wandern…

  • stärkt das Herz-Kreislauf-System und verbessert die Pumpleistung unseres Herzens.
  • unterstützt dabei, die Atmung zu vertiefen, den Brustkorb zu mobilisieren und die Atem­muskulatur zu trainieren. Dies trägt dazu bei, deinen Körper besser mit Sauerstoff zu versorgen. Dadurch wird die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert und du kommst auch im Alltag nicht mehr so schnell außer Atem.
  • aktiviert auch die Abwehrkräfte und trainiert das Immunsystem.

Wandern ist gelenkschonender als andere Bewegungsarten

Besonders angesprochen wird aber der gesamte Bewegungsapparat, da Wandern gelenkschonender ist als andere Bewegungsarten, wie zum Beispiel  Joggen:

  • Vor allem im Bereich der Beine und Füße werden Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder stabilisiert und zudem die gesamte Haltemuskulatur des Körpers trainiert. Dies verringert das Verletzungsrisiko im Alltag. Ebenfalls werden bei Wanderungen im gemäßigten Gelände Knie- und Hüftgelenke entlastet.
  • Wandern trainiert die Trittsicherheit und fördert Gleichgewichtssinn und Balancegefühl. Dadurch kann das Sturzrisiko gesenkt werden.
  • Wandern hat einen positiven Einfluss auf die Knochendichte, so kann auch einer etwaigen Osteoporose entgegengewirkt werden.
  • Beim Wandern produziert der Körper mehr Gelenkflüssigkeit, die für einen „reibungslosen“ Bewegungsablauf sorgt und Gelenkschmerzen verringert. Wandern kann dabei helfen, Risiken der Arthroseentstehung zu reduzieren.
  • Zur Entlastung können beim Wandern auch zwei Wanderstöcke verwendet werden – dies entlastet Knie und Hüfte und aktiviert die Schultern.

ACHTUNG – vergiss nicht auf eine passende Routenplanung (eventuell auch „offline“ mit einer Wanderkarte – somit kann das Handy auch mal im Rucksack bleiben), ausreichend Verpflegung und Getränke, eine der Route entsprechende Ausrüstung sowie einen sicheren und vorausschauenden Blick auf das Wetter!

(c) Herbert Brändle; www.pexels.com

IBG für die Auszeichnung „Nachhaltige Gestalter:innen 2025“ nominiert

Wir freuen uns sehr, eine besondere Nachricht mit Ihnen zu teilen: IBG ist für die renommierte Auszeichnung „Nachhaltige Gestalter:innen“ nominiert! Die neue Chefredakteurin der BUSINESSART hat unsere Leitung für Arbeitssicherheit und Ergonomie, Matthias Welkens, MBA, über die Nominierung informiert.

Die Auszeichnung „Nachhaltige Gestalter:innen“ wird seit 2009 an Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen verliehen, die durch ihr Engagement eine enkeltaugliche Zukunft mitgestalten. Dass IBG in diesem Jahr zu den Nominierten zählt, ist eine große Anerkennung für unsere langjährige Arbeit im Bereich der nachhaltigen und gesunden Unternehmensentwicklung.

Warum IBG nominiert wurde

IBG steht seit 1995 für gesunde und nachhaltige Unternehmens- und Personalentwicklung. Unser Ziel ist es, eine humane und gleichzeitig wirtschaftliche Arbeitswelt zu schaffen – für Unternehmen und ihre Mitarbeiter:innen.

Ein herausragendes Beispiel dafür ist unsere kürzlich erstellte Gemeinwohl-Bilanz. In diesem Rahmen haben wir unsere Zusammenarbeit mit rund 500 Lieferant:innen systematisch neu bewertet – unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten. Dieser Schritt unterstreicht unser Bestreben, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu leben und entlang der gesamten Wertschöpfungskette umzusetzen.

IBG in Zahlen

  • Gegründet 1995
  • Über 200 Mitarbeiter:innen, darunter 80 Arbeitsmediziner:innen
  • Österreichweite Beratung und Betreuung
  • Marktführerin im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

So geht es weiter

Die Jury der Nachhaltigen Gestalter:innen erhält im September die Kurzbeschreibungen der Nominierten und trifft anschließend ihre Entscheidung. Es bleibt also spannend – wir halten Sie auf dem Laufenden!

Die Auszeichnungsveranstaltung findet am Montag, den 24. November 2025 in Wien statt.

 

 

Klimafreundlich Reisen: Mit gutem Gewissen unterwegs

Wer umweltbewusst unterwegs ist, entdeckt neue Perspektiven und erlebt Urlaub intensiver – oft auch entspannter und genussvoller.

  • Reise mit Bahn, Bus oder Fahrrad an
    Denn ein mit dem Auto zurückgelegter Kilometer (Benzin oder Diesel) ist mehr als 15-mal klimaschädlicher als ein Kilometer mit der Bahn. Beim Flugzeug fällt pro Kilometer sogar über 31-mal so viel CO₂ an wie bei einer Bahnfahrt.
    Tipp: Wer früh bucht, findet oft günstige Tickets.
  • Verweile in öko-zertifizierten Unterkünften
    Dabei kannst du auf Umweltzeichen wie das EU Ecolabel, Green Key, BioHotels oder Austrian Ecolabel achten. Diese stehen für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen, faire Arbeitsbedingungen und biologische Lebensmittel.
    Tipp: Unter www.umweltzeichen.at findest du eine Liste zertifizierter Betriebe.
  • Wähle klimafreundliche Fortbewegung vor Ort
    Erkunde deine Urlaubsregion zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.
    Tipp: Viele Regionen bieten Gästekarten inkl. kostenloser Nutzung von Bus und Bahn
  • Regional und saisonal essen geht am einfachsten, indem du lokale Spezialitäten auf Wochenmärkten oder in Gasthöfen isst, statt in internationalen Fastfood-Ketten.
  • Ressourcen schonen ist auch im Urlaubsalltag möglich, z.B. bei Wasser, Strom und vor allem Müll.
  • CO2-Kompensation kannst du bei Auto- oder Flugreisen durch Gold Standard oder Plan Vivo zertifizierte Projekte und Anbieter wie atmosfair, myclimate oder Climate Austria leisten.
  • Leichtes Gepäck erhöht deine Beweglichkeit und bedeutet gleichzeitig weniger Sprit- bzw. Kerosinverbrauch.
  • Plane längere Aufenthalte statt mehrerer Kurztripps, denn das reduziert nicht nur Emissionen, sondern auch Stress.
  • Wähle sanften Tourismus, wie z.B. die Alpine PearlsDanube Pearlsoder Bergsteigerdörfer

Mache deine Reise zum Gewinn für dich und das Klima!

(c)Dante Muñoz; www.pexels.com

Gesund geführt ist halb gewonnen

Gesunde Führung ist unbestritten eine wesentliche Grundlage für den Erhalt und die Förderung von psychischer Gesundheit in Unterneh­men. Doch wodurch konkret zeichnet sich gesundes Führen aus?

Hier die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Seien Sie präsent!
    Pflegen Sie regelmäßigen persönlichen Kontakt zu Ihren MitarbeiterInnen, um zu signalisieren: „Ich bin da und ansprechbar“.
  • Zeigen Sie Anerkennung!
    Ergreifen sie öfter die Gelegenheit, Ihre MitarbeiterInnen wissen zu lassen, dass Sie ihre Arbeit und ihren Einsatz, aber auch sie als Person sehr schätzen.
  • Geben Sie Rückmeldung!
    Schaffen Sie fixe und regelmäßige Gelegenheiten für Feedback, sowohl im Team als auch im Vier-Augen-Gespräch.
  • Binden Sie ein!
    Die Möglichkeit zur Mitsprache und Mitgestaltung ist in der Arbeitswelt ein wichtiger Gesundheitsfaktor.
  • Haben Sie Nachsicht!
    Fehler passieren und bilden wichtige Impulse für Lernprozesse. Pflegen und vermitteln Sie einen lösungsorientierten Umgang damit.
  • Geben Sie Rückendeckung!
    Stehen Sie in heiklen Situationen hinter Ihren MitarbeiterInnen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Freude beim vorbildlichen Führen!

 

(c) Kaboompics.com; https://www.pexels.com

Workshop: Fit durch den (Arbeits)alltag

Bewegung ist die Grundlage unseres Lebens – wer rastet, der rostet. Dieses und ähnliche Sprichwörter sind fest in unserem Wortschatz verankert. Aber wie sieht es in der Realität aus?

Unsere Bewegungen und der Bewegungsradius sind oft sehr eingeschränkt. Langes Sitzen, statische Belastungen und Zwangshaltungen nehmen einen Großteil unseres Tages ein.

Deshalb ist ausreichend Bewegung wichtig. Sie ist der Treibstoff, der unsere Muskeln kräftigt und die Gelenke „schmiert“. Neben regelmäßiger sportlicher Betätigung, ist auch die Alltagsbewegung und die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Alltags.

Nahezu jede:r von uns hat schon einmal in irgendeiner Weise mit Problemen im Stütz- und Bewegungsapparat zu kämpfen gehabt. Zumeist sind Bewegungsmangel, eine unergonomische Arbeitsweise oder eine Zwangshaltung die Ursache. Genau das soll in diesem Workshop Thema sein .
       

Unser Angebot

  • Zweistündiger Workshop „Fit durch den (Arbeits)alltag“
  • inklusive Original-Theraband®           

Ziele und Inhalte des Workshops

  • Sensibilisierung der Mitarbeiter:innen hinsichtlich ergonomischen Verhaltes und der positiven Auswirkung von Bewegung auf die eigene Gesundheit
  • Gestaltung eines aktiven Arbeitsalltags unter Berücksichtigung von individuellen Einschränkungen
  • Erkennen von Problemfeldern sowie Auslöser und Ursachen für Rückenschmerzen
  • Entwicklung von individuellen Umsetzungsmöglichkeiten
  • Kennenlernen des Therabands® und einfacher Übungen


Nutzen für Ihr Unternehmen

Ein Workshop zum Thema Bewegung fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen, was langfristig zu weniger Krankheitsausfällen, höherer Motivation und gesteigerter Produktivität führt. Gleichzeitig signalisiert das Unternehmen Wertschätzung gegenüber dem Team, was die Mitarbeiter:innenbindung stärkt und ein positives Betriebsklima unterstützt.

Gerne erstellen wir für Sie ein unverbindliches und individuelles Angebot (je nach Stundenkontingent auch im Rahmen der Einsatzzeit möglich!). Kontaktieren Sie dazu bitte unser Kundenservice unter kundenservice@ibg.at oder telefonisch unter 01/524 37 51-19.

Wir freuen uns, wenn wir Sie auf Ihren gesunden und produktiven Wegen aktiv begleiten dürfen!

Bild: SometimesNever/peopleimages.com 

Hut am Boot Relax

Arbeiten bei Hitze – Empfehlungen für die Praxis

Der Sommer 2025 bringt erneut eine außergewöhnlich langanhaltende Hitzeperiode mit sich. Temperaturen über 35 °C sind mittlerweile keine Seltenheit mehr – sowohl im Freien als auch in Innenräumen ohne Klimatisierung. Das hat direkte Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, Konzentration und Gesundheit von Beschäftigten. Trotz dieser Belastungen gibt es in Österreich nach wie vor keine gesetzliche Regelung für hitzefrei. Umso wichtiger ist es, dass Dienstgeber im Sinne des Arbeitnehmerschutzes tätig werden.

Praktische Maßnahmen gegen Hitzebelastung

  • Bereitstellung geeigneter, alkoholfreier Getränke (z. B. Wasser mit Elektrolyten)
  • Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung durch Abschattung (z. B. Markisen, Planen, Jalousien)
  • Nutzung der kühleren Morgen- und Nachtstunden zur Raumkühlung durch Querlüften
  • Lockerung von Bekleidungsvorschriften, wo Sicherheitsstandards dies zulassen
  • Einsatz von Ventilatoren (Zugluft vermeiden!) oder mobilen Kühlgeräten
  • Organisation zusätzlicher Erholungspausen und gegebenenfalls Anpassung der Arbeitszeiten (z. B. Frühstart, keine Mittagshitze)
  • Schulung und Sensibilisierung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Hitzeschäden wie Sonnenstich, Hitzschlag oder Hitzekollaps

Richtwerte für Innenräume

Für Arbeitsplätze in Büros mit Klimaanlage gelten laut Arbeitsstättenverordnung folgende Zielwerte:

  • Raumtemperatur: 19 °C bis maximal 25 °C
  • Luftfeuchtigkeit: 40–70 %
  • Bei leichter körperlicher Arbeit im Stehen: max. 24 °C Raumtemperatur

Ist keine Klimatisierung vorhanden, müssen Arbeitgeber Maßnahmen setzen, um die Belastung zu reduzieren:

  • Nachtlüftung und frühes Querlüften
  • Fensterbeschattung (Rollos, Vorhänge, außenliegender Sonnenschutz)
  • Bereitstellung von Trinkwasser und ggf. mobilen Kühlhilfen
  • Anpassung der Pausenregelung (z. B. kürzere Intervalle, mehr Erholung)

Besonders zu schützen sind:

  • Schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen
  • Ältere Kolleginnen und Kollegen
  • Menschen mit Vorerkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf, Kreislaufprobleme)
  • Beschäftigte an Steharbeitsplätzen

Hier sind arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Fachkräfte frühzeitig einzubinden. Auch Betriebsräte sollten aktiv eingebunden werden.

Rechtliche Grundlage: Hitze als Schlechtwetter

Für bestimmte Berufsgruppen im Bau gilt: Hitze kann Schlechtwetter im Sinne des Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetzes (BSchEG) darstellen.

Seit 01.01.2013 anerkannt:

Ab 35 °C (gemessen im Schatten) können Schlechtwetterregelungen greifen

  • Liegt die Temperatur über drei Stunden hinweg über 35 °C, gilt der restliche Tag als Schlechtwetter
  • Anspruch auf Schlechtwetterentschädigung (über BUAK) für entfallene Arbeitsstunden
  • Betroffene Berufsgruppen: Bauarbeiter, Zimmerer, Dachdecker, Pflasterer, Gerüster, Gipser

Die Entscheidung über Arbeitsabbruch trifft der Arbeitgeber – unter Berücksichtigung der Sicherheit und Zumutbarkeit.

Ergänzende Maßnahmen bei Arbeit im Freien

  • Sonnenschutzmittel mit hohem LSF zur Verfügung stellen
  • Pflicht zum Tragen geeigneter Kopfbedeckung
  • Bereitstellung von Sonnenbrillen mit UV-Schutz
  • Möglichkeit zur Abkühlung: z. B. Duschen, kalte Handtücher, Schattenbereiche

Fazit

Die Hitzewellen nehmen weiter zu. Arbeitgeber tragen eine Verantwortung für den Schutz ihrer Beschäftigten – gerade auch in Zeiten, in denen gesetzliche Regelungen (noch) fehlen. Organisatorische Maßnahmen, technische Lösungen und arbeitsmedizinische Beratung sind jetzt wichtiger denn je.

Für Rückfragen, Beratung oder Unterstützung wenden Sie sich bitte an Ihre Sicherheitsfachkraft, Ihre Arbeitsmedizinerin oder Ihren Betriebsrat – oder direkt an die IBG.

Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch den Sommer!

 

Die Zukunft der Arbeit

IBG-Geschäftsführer Gerhard Klicka im Gespräch über New Work, betriebliche Gesundheitsförderung und die Zukunft der Arbeit.

Heuer feiert IBG ihr 30-jähriges Bestehen – eine lange Zeit in einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt. Ist der Hype um »New Work« berechtigt?

Die Arbeit hat sich enorm verändert. Als ich begonnen habe, gab es noch zwei Unternehmen: IBG, das sich mit Beratung beschäftigte, und Worklab, das den Arbeitnehmer:innenschutz abdeckte. Worklab war damals eher ein Netzwerk von Arbeitsmediziner:innen, Psycholog:innen und Sicherheitsexpert:in nen – keine strikte Firmenstruktur, sondern ein offener Austausch. Mit der Zeit mussten wir uns aber professionalisieren. Durch das Zusammenführen der beiden Firmen wuchs IBG auf über 200 Mitarbeitende an mehreren Standorten – und die erforderten klaren Organisationsstrukturen.

Was »New Work« betrifft: Ich denke, wir haben sinnvolle Elemente übernommen. Viele unserer Außendienstmitarbeiter:in nen arbeiten ohnehin bei Kund:innen vor Ort, und im Innendienst hat sich Homeoffice als Ergänzung etabliert. Spannend ist aber, dass viele Mittarbeiter:innen nach der Pandemie wieder ins Büro zurückkehren wollten und wollen – weil der persönliche Austausch und das soziale Miteinander im Arbeitsalltag unersetzlich sind.

Unternehmen setzen zunehmend auf digitale Angebote – Stichwort Online-Schulungen, Remote-Beratungen. Wo steht IBG?

Wir sind gut aufgestellt. Digitale Formate ermöglichen uns, Unternehmen mit verstreuten Standorten besser zu erreichen. Gerade für Firmen mit Außendienstmitar beiter:innen, die selten an einem zentralen Ort sind, bieten Online-Schulungen und Videoinhalte eine völlig neue Zugänglichkeit.

Allerdings ersetzen Online-Formate nicht alles – persönliche Beratung bleibt in vielen Bereichen essenziell. Der Arbeitnehmer:innenschutz beispielsweise beruht nach wie vor auf gesetzlichen Grundlagen, die seit den 1990ern nur wenig verändert wurden. Hier geht es weniger um Digitalisierung als um fachliche Expertise.

IBG ist österreichische Pionierin in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Wie gehen Unternehmen heute mit dem Thema um?

Früher mussten wir den Bereich aktiv in Unternehmen einbringen – heute ist Gesundheitsförderung selbstverständlich geworden. Große Firmen haben eigene Abteilungen dafür, sodass externe Beratung nicht mehr im gleichen Umfang gebraucht wird.

Dazu kommt: Die Österreichische Gesundheitskasse bietet mittlerweile viele dieser Leistungen kostenlos an – da kann ein privates Unternehmen kaum konkurrieren. Aber IBG hat sich darauf eingestellt: Wir konzentrieren uns jetzt auf spezialisierte Projekte, bei denen Unternehmen mit komplexen Fragestellungen auf uns zukommen.

Was macht Sie besser als die Konkurrenz?

Wir haben zwei große Stärken: Erstens unseren wissenschaftlich fundierten Ansatz. Wir betrachten Arbeit nicht nur aus der Perspektive des Schutzes, sondern auch als potenziellen Gesundheitsfaktor. Unser Ziel ist nicht nur »weniger Belastung«, sondern »gesunde Produktivität«.

Zweitens unsere Reichweite: Wir betreuen Kund:innen von Eisenstadt bis Bregenz mit einheitlichen Standards. Und mit unserem »Human Work Index©« haben wir ein Instrument, das uns erlaubt, Arbeitsbedingungen messbar zu machen.

Blicken wir auf die letzten 30 Jahre: Was waren die größten Meilensteine – und wo gab es echte Krisen?

Der größte Meilenstein war sicher die Fusion der beiden Unternehmen – ein Prozess, der anfangs nicht reibungslos verlief. Aber heute profitieren wir von dieser Struktur. Auf Kundenseite hatten wir immer wieder große Projekte, etwa das »Life«-Projekt mit der Voestalpine oder langfristige Kooperationen mit Banken und Industriebetrieben. Krisen gab es auch. Zum Beispiel der Wandel in der betrieblichen Gesundheitsförderung, als der Staat als kostenloser Mitbewerber auf den Markt kam. Aber wir haben uns neu positioniert und arbeiten heute gezielter an Speziallösungen.

Unternehmenskultur ist ein Modewort, das häufig beschworen wird. Was tun Sie für den Teamgeist?

Wir setzen auf kleine, regional organisierte Teams mit eigener Führungskraft. Dadurch fühlt sich niemand in der Anonymität eines Großunternehmens verloren. Zudem gibt es regelmäßige Team-Events, die den Zusammenhalt stärken – von Sportaktivitäten bis zu gemeinsamen Festen.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Ein wachsendes Unternehmen bedeutet auch, dass manche Mitarbeiter:innen sich fragen: »Wo bleibt der persönliche Bezug, wenn die Firma immer größer wird?« Aber genau deshalb setzen wir auf diese kleingliedrigen Strukturen.

Gibt es den typischen IBG-Mitarbeitenden?

Ja und nein. Alle Menschen sind individuell verschieden und das ist gut so. Aber ich respektiere und suche Persönlichkeit. Fach wissen kann man lernen, aber ob jemand ins Team passt, ist entscheidend. Wir legen Wert darauf, dass neue Mitarbeiter:innen nicht nur fachlich gut sind, sondern auch teamfähig und eigenständig arbeiten können. Unsere Fluktuation ist niedrig – was zeigt, dass wir in der Auswahl meist richtig liegen.

Viele Unternehmen sprechen von flachen Hierarchien, aber in der Praxis sieht es oft anders aus. Wie transparent sind Ihre Entscheidungen?

Transparenz ist mir sehr wichtig. Ich treffe keine einsamen Entscheidungen, sondern beziehe mein Team ein. Natürlich gibt es Hierarchien – aber entscheidend ist, dass Mitarbeiter:innen verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Ich sehe mich als Dirigent: Mein Job ist es, sicherzustellen, dass alles harmonisch zusammenspielt.

Es ist Ihre Aufgabe, anderen Unternehmen Aufgaben wie Unternehmenskultur nahe zu bringen: Ist IBG selbst eine attraktive Arbeitgeberin?

Unbedingt, wenn ich zu Eigenlob greifen darf. Neben einem guten Betriebsklima sind es die Flexibilität und Eigenverantwortung, die wir bieten. Wer sich gut organisiert, hat große Freiheiten. Wir setzen nicht auf Micromanagement, sondern auf Vertrauen.

Viele Unternehmen sprechen von flachen Hierarchien, aber in der Praxis sieht es oft anders aus.

Wie transparent sind Ihre Entscheidungen? Transparenz ist mir sehr wichtig. Ich treffe keine einsamen Entscheidungen, sondern beziehe mein Team ein. Natürlich gibt es Hierarchien – aber entscheidend ist, dass Mitarbeiter:innen verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Ich sehe mich als Dirigent: Mein Job ist es, sicherzustellen, dass alles harmonisch zusammenspielt.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Verantwortung für IBG: Was macht Ihren Job noch spannend?

Die Freude daran, IBG weiterzuentwickeln. Es gibt immer Luft nach oben – sei es durch neue Technologien, bessere Prozesse oder optimierte Arbeitsbedingungen. Themen wie Künstliche Intelligenz werden in Zukunft eine große Rolle spielen, und es ist spannend, wie wir das in unsere Arbeit integrieren können.

Wie sieht es mit der Zukunft der Branche aus?

Die Arbeitswelt wird sich in den nächsten Jahrzehnten radikal verändern. Automatisierung und KI werden immer mehr übernehmen – das wird auch den Arbeitnehmer:innenschutz betreffen. Gleichzeitig wird es Berufe geben, die Maschinen nie ersetzen können, etwa im Pflege- oder Sozialbereich. Die Frage wird sein: Wie passt sich der Arbeitnehmer:innenschutz diesen neuen Realitäten an? Das bleibt spannend.

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz stärken

Psychische Erste Hilfe als Teil der Unternehmenskultur.
Nach wie vor sind Depressionen eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit, zudem steigt die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen seit Jahrzehnten. Unternehmen sehen sich deshalb immer häufiger mit psychosozialen Krisen bzw. dem Erleben außergewöhnlicher psychischer Belastungen konfrontiert. Führungskräfte sind oft erste Ansprechpersonen bei psychischen Belastungen von Mitarbeitenden, stehen aber auch selbst unter großem Druck.

Obwohl psychische Gesundheit zunehmend mehr Beachtung findet und es in Unternehmen immer selbstverständlicher wird, sich damit auseinanderzusetzen, gibt es noch Nachholbedarf beim Verständnis und Wissen zu diesem Thema sowie bei der Sicherheit im Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden. Während körperliche Gebrechen im Normalfall für andere sichtbar sind, ist ein psychisches Problem von außen oft kaum bis gar nicht zu erkennen.

Psyche: Immer noch ein Tabuthema

Menschen mit psychischen Erkrankungen erfahren deshalb am Arbeitsplatz oft Stigmatisierung. Ihnen wird beispielsweise die Schuld an ihren psychischen Problemen selbst zugeschrieben. Auch ist es für viele Menschen immer noch ein Tabu, über psychische Belastungen oder Probleme zu sprechen. Dadurch wird eine rechtzeitige und konstruktive Intervention, auch seitens der Führungskraft, oft verhindert.

Prävention: Die Arbeitspsychologie liefert Antworten

Prävention wird daher immer wichtiger – nicht zuletzt durch Fortbildung und Sensibilisierung. Doch wie reagiert man professionell, wenn sich bei Mitarbeiter:innen oder Kolleg:innen psychische Überlastungserscheinungen oder „Auffälligkeiten” bemerkbar machen? Welche Reaktionen sind angemessen? Wofür sind Unternehmen verantwortlich bzw. zuständig? Wie kann das Thema „richtig” angesprochen und damit umgegangen werden? Welche Präventionsmöglichkeiten gibt es?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Unternehmen zurecht. Die Arbeitspsychologie liefert Antworten und Hilfestellung. Körperliche Erste-Hilfe-Kurse sind für Unternehmen längst selbstverständlich. Genauso wichtig ist es jedoch auch, psychische Erste Hilfe zu lernen, um in emotionalen Ausnahmesituationen Stabilität, Orientierung und Sicherheit geben zu können.

Schulungen für mentale Ersthelfer:innen

Jeder kann psychische Erste Hilfe leisten. Ein offenes Ohr und aktives Zuhören können Menschen Stabilität und Sicherheit bieten und somit ihr Leben positiv beeinflussen. Im Rahmen eines modernen Betrieblichen Gesundheitsmanagements lassen deshalb immer mehr Unternehmen – neben Sensibilisierung und Schulungen der Führungskräfte – auch Mitarbeiter:innen zu sogenannten mentalen Ersthelfer:innen ausbilden. Diese können ihren Kolleg:innen als vertrauliche, unparteiische Erstkontakte behilflich sein.
In diesen Schulungen und Trainings soll es neben einem Überblick über psychische Erkrankungen auch um grundlegende praktische Erste-Hilfe-Maßnahmen bei mentalen Problemen gehen.

Warnsignale frühzeitig wahrnehmen

Das Ziel besteht darin, Führungskräfte und Mitarbeiter:innen zu befähigen, Warnsignale (bei anderen sowie bei sich selbst) frühzeitig wahrzunehmen. Sie sollen wissen, wie sie diese am besten ansprechen können und welche arbeitsbezogene Unterstützung (z. B. Entlastung, flexible Arbeitsgestaltung) sowie interne und externe Hilfsangebote es gibt, um aus psychischen Krisen wieder herauszufinden. Dabei ist es wichtig, auch die eigenen Grenzen anzuerkennen und in seiner Rolle zu bleiben. Es geht nicht darum, zu therapieren!
Bei der Erkennung psychischer Erkrankungen sind die Art des Leidens und die Zeitspanne wichtige Beobachtungsmerkmale. Ein paar schlechte Tage zu haben, ist ganz normal. Wenn es einem aber zwei Wochen oder länger schlecht geht, man Menschen oder Aktivitäten meidet oder psychosomatische Symptome belasten (Schlafprobleme, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Herzrasen etc.), dann sollte man sich Hilfe holen.

Beobachten, ansprechen, unterstützen

Gerade beim Ansprechen – im Sinne von: frühzeitig und empathisch das Gespräch suchen, ohne zu diagnostizieren, sondern sich zu trauen, seine Beobachtungen auszusprechen – sind das Wissen um die richtigen Worte sowie das Üben in einem geschützten Rahmen („Trockentraining”) hilfreiche Werkzeuge.
Nach dem Motto: Beobachten, ansprechen, unterstützen – aber nicht therapieren! Vergleichbar mit der medizinischen Ersten Hilfe ist es auch bei der psychischen Ersten Hilfe wichtig, zu lernen und durchzuspielen, was man im Krisenfall sowie in psychischen Notfällen selbst tun kann, ohne sich zu überfordern oder Grenzen zu überschreiten. Das Erstellen und Durchgehen eines Sofort-Hilfe-Plans, beispielsweise im Falle einer Panikattacke eines Mitarbeitenden, gibt Sicherheit und hilft dabei, in dieser Situation ruhig und empathisch handeln zu können. Auch zu wissen, was im Falle einer vermuteten Suizidgefährdung oder psychosozialen Krise zu tun ist, ist ein wichtiger Bestandteil der Schulung.

Der Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden erfordert neben Sensibilität und Empathie eine klare Strategie sowie eine Unternehmenskultur, die Offenheit, Unterstützung und Resilienz fördert.
Am Arbeitsplatz sind eine gute Führung und Arbeitsorganisation sowie eine Unternehmenskultur, die sich auf Kommunikation und Zuhören konzentriert, eine gute Prävention für die psychische Gesundheit.

Vertrauen aufbauen und Wertschätzung vermitteln: Befragungsergebnisse richtig nutzen

Der richtige Umgang mit Befragungen in Unternehmen ist entscheidend, um daraus nicht nur Daten, sondern auch echten Wandel zu erzeugen.

Klare Zielsetzung formulieren

Im Vorfeld sollten grundlegende Fragen gestellt und eine klare Zielsetzung formuliert werden. Dieses Wofür und Wohin ist auch an die Belegschaft zu kommunizieren: „Wofür wollen wir als Unternehmen die Befragung nutzen? Was genau wollen wir herausfinden? Welche Themen interessieren uns? Und wie weit sind wir auch bereit, etwas an der Unternehmens- und Führungskultur zu verändern?”

Ein Frühwarnsystem und strategisches Steuerungsinstrument

Mitarbeiter:innen-Befragungen dienen dazu, die Stimmung, das Engagement und die Zufriedenheit im Unternehmen sowie mögliche psychische Belastungsthemen und Stärken systematisch zu erfassen. Richtig genutzt sind sie ein Frühwarnsystem und strategisches Steuerungsinstrument, aber auch eine Möglichkeit, Ressourcen im Unternehmen aufzuzeigen. Dabei geht es nicht nur ums Fragen, sondern ums Zuhören, Interesse zeigen und Nachfragen sowie transparentes Handeln und darüber Reden.

Maßnahmenpläne, die umgesetzt werden

Bei der Interpretation ist zunächst die Betrachtung der Stichprobe relevant. Ist diese repräsentativ? Nach einer klaren und zeitnahen Kommunikation der zentralen Erkenntnisse an alle Mitarbeiter:innen sollten im Dialog mit den Teams die Ergebnisse gemeinsam reflektiert und Maßnahmepläne erarbeitet werden. Das Ziel besteht darin, in weiterer Folge Verantwortlichkeiten und realistische Zeitpläne festzulegen. Wer setzt was bis wann um? Welche Themen werden nicht umgesetzt bzw. sind aktuell vielleicht auch nicht veränderbar?

Das klingt möglicherweise banal und logisch, wird in der Praxis aber am wenigsten umgesetzt. Wenn keine Taten folgen oder Ergebnisse versteckt oder geschönt werden, ist das oft frustrierender, als keine Befragung durchzuführen.

Regelmäßige Überprüfung der Fortschritte

Unternehmen berichten immer wieder von einer „Befragungsmüdigkeit“, die sich zeigt, wenn ohne Abschlussprozesse immer wieder Befragungen durchgeführt werden. Auch bei Wiederholungsbefragungen lohnt sich ein genauer Blick auf die Entwicklungen seit der vorherigen Befragung: Welche Trends sind zu erkennen und welche Schlüsse sind zu ziehen? In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, regelmäßig nachzusteuern, beispielsweise alle zwei bis drei Jahre, um die Fortschritte zu überprüfen.

Professioneller Umgang mit Rückmeldungen

Befragungen sind allgemein eine gute Möglichkeit, Feedback zu verschiedensten Themen zu erhalten, u. a. zum Organisations- und Führungsklima. Das kann bei manchen Führungskräften auch Befürchtungen oder Sorgen auslösen. Wie geht eine Führungskraft damit um, wenn Kritik aus dem Team geübt wird? Ein entscheidender Faktor ist dabei die eigene innere Haltung – kann die Führungskraft die Kritik als wertvolle Chance zur Weiterentwicklung und als „Geschenk“ sehen und versuchen, sie zu verstehen? Ein professioneller Umgang mit kritischen Rückmeldungen entscheidet maßgeblich darüber, ob Vertrauen wachsen kann.

Fazit

Mitarbeiter:innen-Befragungen können nur dann wirklich wirken, wenn sie Teil eines echten Dialogs sind und auch zu Veränderungen führen. Auch die offene Kommunikation darüber, was nicht verändert werden kann, ist wichtig. Sie trägt maßgeblich dazu bei, Wertschätzung zu vermitteln. Autorin: Regina Nicham

Arbeitsmedizin im Wandel: IBG Experte, Manfred Lindorfer beim Forum Prävention International 2025

Vom 20. bis 22. Mai 2025 lud die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zum Forum Prävention International ins Austria Center Vienna. Die Veranstaltung gilt als zentraler Treffpunkt für alle, die sich mit Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz befassen. Neben hochkarätigen Keynotes gab es praxisnahe Workshops und eine große Fachausstellung.

Manfred Lindorfer, Leiter des Arbeitsmedizinischen Zentrums am Chemiepark Linz und IBG-Experte, thematisierte die aktuellen Herausforderungen in der Arbeitsmedizin, insbesondere die Folgen des Arbeitskräftemangels.

Betriebliche Gesundheitsförderung im Fokus

In seinem Vortrag stellte Lindorfer zahlreiche Lösungsvorschläge vor, wie die Arbeitsmedizin zur Attraktivierung der Arbeitsplätz beitragen und ein gesünderes Arbeiten mit einem längeren Verbleib im Arbeitsprozess gewährleisten kann. Das deckt sich auch mit den Gesundheitszielen, die im neuen Regierungsprogramm beinhaltet sind.  Der Wandel der Arbeitswelt, getrieben durch Digitalisierung, Verdichtung von Arbeit und steigende mentale Anforderungen, erfordert ein modernes, integriertes betriebliches Gesundheitsmanagement.

Er zeigte zahlreiche Beispiele aus der praktischen Arbeit in den Betrieben wie zum Beispiel: Führungskräfteschulungen (gesundes Führen), Verbesserung des Essensangebots in der Betriebskantine, Schichtplanumstellung und Schicht-Seminare, Gesundheitszirkel, erfolgreiche Raucherentwöhnung und Suchtprävention u.a.m.

Best Practice aus dem Chemiepark Linz

Als Leiter des Arbeitsmedizinischen Zentrums am Chemiepark Linz brachte Lindorfer wertvolle Erfahrungen aus über 20 Jahren IBG-Arbeit mit. Die nach ISO 9001 zertifizierte Einrichtung steht für ein umfassendes arbeitsmedizinisches Angebot: klassische Vorsorgeuntersuchungen, Notfallversorgung, Ergonomieberatung und spezifische Programme, etwa zu Bildschirmarbeit und Hautschutz.

Manfred Lindorfer, » Arbeitsmedizin muss heute mehr leisten als reine Kontrolle – sie muss aktiv gestalten und Teil der Unternehmenskultur sein.«

Gesundheitsförderung als Erfolgsfaktor

Der Beitrag von Manfred Lindorfer verdeutlichte, wie wichtig eine strategisch verankerte Gesundheitsförderung für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ist. Die Arbeitsmedizin der Zukunft ist vernetzt, interdisziplinär und ganzheitlich.

© G. Nesvadba

Gewaltprävention am Arbeitsplatz: Sicherer Umgang mit Grenzüberschreitungen

Diskriminierung, Mobbing und sexuelle Belästigung sind nach wie vor Bestandteile unserer Gesellschaft und kommen somit auch in Organisationen vor. Gewaltprävention und ein klar geregelter Umgang mit Grenzüberschreitungen am Arbeitsplatz sind daher essenziell für eine gesunde und produktive Arbeitsumgebung für alle Mitarbeiter:innen.

Zentrale Rollen spielen dabei präventive Maßnahmen wie Bewusstseinsbildung, aber auch klare Richtlinien und die Unterstützung betroffener Mitarbeiter:innen.

Prävention durch Sensilbilisierung und klare Regeln

Ein erster Schritt zur Gewaltprävention ist die Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Führungskräfte. Regelmäßige Schulungen und Workshops können helfen, das Bewusstsein für die eigenen Werte und Haltungen sowie für verschiedene Formen von Gewalt und Grenzüberschreitungen zu schärfen.

Themen wie Mobbing, sexuelle Belästigung und physische Gewalt sollten klar definiert und besprochen werden, ebenso Bewältigungs- und Lösungsstrategien. Darüber hinaus sollte sichergestellt werden, dass alle Mitarbeitenden die Unternehmensrichtlinien kennen und verstehen.

Schnelle Entlastung in Notsituationen

Unerwünschte Annäherungsversuche oder andere Grenzüberschreitungen sind in jedem Fall ernstzunehmen. Sie beeinträchtigen das Arbeitsklima und können bei Betroffenen zu Scham, Angst, Depressionen und sogar Suizidversuchen führen.

Häufig wird in übergriffigen Situationen zurückhaltend reagiert und eine klare Konfrontation mit Grenzverletzer:innen gemieden. Doch gerade die aktive Auseinandersetzung mit Belästiger:innen führt am ehesten zum Nachlassen von Übergriffen und damit zu einem sicheren, gesunden und produktiven Miteinander für alle. Führungskräfte sollten als Vorbilder agieren und eine Kultur des respektvollen Umgangs, innerhalb und zwischen allen hierarchischen Ebenen der Organisation, vorleben. Mitarbeitende sollten über die Ansprechpersonen, Meldewege und Prozesse informiert sein, um sich in kritischen Situationen rasch Unterstützung holen zu können.

Ein transparenter Prozess zur Untersuchung und Bearbeitung von Vorfällen ist entscheidend, um das Vertrauen der Mitarbeitenden (wieder) zu gewinnen. Darüber hinaus sind Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten, beispielsweise Versetzungen oder vorübergehende Freistellungen der grenzverletzenden – und nicht der betroffenen! – Personen.

Auch im Umgang mit grenzüberschreitenden Kund:innen oder Klient:innen sind Präventiv- und Entlastungsmaßnahmen eine wesentliche Voraussetzung für Sicherheit am Arbeitsplatz. Zum Beispiel bauliche Maßnahmen oder das Vermeiden potenziell kritischer Kontakte, in denen Mitarbeiter:innen mit Externen alleine sind. Darüber hinaus sollten Notfallpläne kommuniziert und Deeskalations-Strategien in entsprechenden Schulungen trainiert werden, um Mitarbeitenden in schwierigen Situationen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.