Kategorie: 04 Presseinfo

Pressemeldungen

Wenn Grenzen überschritten werden

Gewalt, Belästigung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz sind keine Einzelfälle. Entscheidend ist, dass Organisationen hinschauen, Betroffene schützen und klare Verfahren etablieren. Ina Lukl, IBG-Expertin für Arbeitspsychologie, erklärt, worauf es ankommt.

  • Grenzüberschreitungen sind oft Machtmissbrauch
    Hierarchien, Abhängigkeiten und informelle Machtpositionen spielen bei Übergriffen eine zentrale Rolle.
  • Nicht die Absicht zählt, sondern die Wirkung
    Sexuelle Belästigung beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Auch Bemerkungen, Nachrichten, „Witze“ oder unerwünschte Berührungen können die Würde verletzen.
  • Prävention braucht Konsequenz
    Wirksam sind klare Leitfäden, Ansprechpersonen, transparente Verfahren und sichtbare Konsequenzen – nicht bloße Symbolpolitik.

Wien, 12.05.2026. | Gewalt am Arbeitsplatz ist weit verbreitet

Fast jede vierte Person weltweit hat laut einer Erhebung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bereits Gewalt oder Belästigung im Arbeitskontext erlebt – in psychischer, physischer oder sexueller Form. Besonders betroffen sind junge Menschen, Migrant:innen und Frauen. Auch in Österreich zeigen Studien, dass Herumschreien, Beleidigungen, Drohungen und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verbreitet sind. Mehr als jede vierte Frau hat laut Statistik Austria sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.

„Ich glaube nicht, dass es heute mehr Fälle gibt – aber sie werden glücklicherweise öfter aufgezeigt“, sagt Ina Lukl, Arbeitspsychologin bei IBG. Unternehmen würden zunehmend erkennen, dass sie handeln müssen: „Arbeitgeber:innen haben die Pflicht, ein diskriminierungsfreies Umfeld sicherzustellen.“

Grenzüberschreitungen entstehen oft schleichend

Grenzüberschreitungen entstehen häufig nicht zufällig. Sie entwickeln sich oft schrittweise: ein unangemessener Kommentar, ein scheinbar harmloser „Witz“, eine unerwünschte Nachricht, ein Übergriff bei einer Feier. „Es kommt nicht darauf an, wie etwas gemeint war, sondern wie es bei der betroffenen Person angekommen ist“, betont Lukl. Gerade Machtgefälle verschärfen die Situation: Wer abhängig ist, neu im Unternehmen, jung, in Ausbildung oder sozial isoliert, hat oft größere Hemmungen, Vorfälle zu melden.

Das Gleichbehandlungsgesetz definiert sexuelle Belästigung klar: Entscheidend ist, ob ein Verhalten der sexuellen Sphäre zugehörig ist, die Würde verletzt und für die betroffene Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist. Flirten am Arbeitsplatz ist erlaubt – aber nur, wenn sich beide Personen wohlfühlen und einverstanden sind. Grenzüberschreitendes Verhalten ist kein Flirt.

Klare Regeln statt Wegschauen

Für Organisationen bedeutet Gewaltprävention vor allem: klare Haltung zeigen. „Was tatsächlich wirkt, sind Leitfäden, klare Verfahren und klare Konsequenzen“, sagt Lukl. Dazu zählen definierte Ansprechpersonen, transparente Meldewege, geschulte Führungskräfte, Betriebsvereinbarungen, externe Beratungsmöglichkeiten und eine Kultur, in der Betroffene ernst genommen werden. IBG unterstützt Unternehmen dabei mit Sensibilisierung, Workshops, Webinaren und auf Wunsch auch durch moderierte Gespräche.

Zivilcourage kann Betroffene schützen

Auch Zeug:innen spielen eine wichtige Rolle. Wer Grenzüberschreitungen beobachtet, sollte nicht wegsehen, sondern Betroffene stärken, Hilfe anbieten und Maßnahmen mit ihnen abstimmen. „In vielen Fällen könnte eine einzige Person durch beherztes Eingreifen viel Schaden verhindern“, so Lukl.

Betroffenen rät sie, sich Unterstützung zu holen – intern oder extern. Neben betrieblichen Ansprechpersonen können auch Präventivfachkräfte, die Gleichbehandlungsanwaltschaft oder spezialisierte Beratungsstellen erste vertrauliche Anlaufstellen sein. „Es ist Aufgabe der Arbeitgeber:innen, gegen Diskriminierung vorzugehen. Betroffene müssen damit nicht allein bleiben.“

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Ansprechpartnerin:
Renate Ruhaltinger-Mader
M +43 676 38 49 022
E-Mail: presse@ibg.at

IBG erneut mit BGF-Gütesiegel ausgezeichnet

Wien (APA)  IBG – Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement ist 2026 erneut mit dem Gütesiegel für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ausgezeichnet worden. Die Verleihung durch die Österreichische Gesundheitskasse bestätigt das kontinuierliche Engagement des Unternehmens für die Gesundheit seiner Mitarbeiter:innen.

Das Gütesiegel wurde für die Periode 2026 bis 2028 zuerkannt. Nach der Erstverleihung (2017–2019) sowie weiteren Wiederverleihungen unterstreicht die aktuelle Auszeichnung die nachhaltige Verankerung von betrieblicher Gesundheitsförderung bei IBG.

Zentrales Element ist das betriebliche Gesundheitsmanagement „Ich bleib Gesund“, das Maßnahmen auf Verhaltens- und Verhältnisebene umfasst. Schwerpunkte liegen unter anderem auf der Optimierung von Arbeitsabläufen, Digitalisierung sowie der persönlichen Weiterentwicklung. Ein besonderer Fokus gilt der Reduktion psychischer Belastungen, unter anderem durch den Einsatz des unternehmenseigenen Psychosozialen Belastungsmoduls (PBM2).

Die Auszeichnung wurde von Geschäftsführer Gerhard Klicka und Bereichsleiterin Ina Lukl entgegengenommen und steht stellvertretend für das Engagement der gesamten Belegschaft.

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon rund 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Ansprechpartnerin: Renate Ruhaltinger-Mader
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Zeitumstellung: Arbeitsmedizin sieht weiterhin gesundheitliche Nachteile

Mit der Zeitumstellung am kommenden Sonntag (29. März) beginnt erneut die Sommerzeit. Eine einheitliche EU-Regelung zur Abschaffung steht weiterhin aus. Aus arbeitsmedizinischer Sicht bleibt die Kritik bestehen.

Die wichtigsten arbeitsmedizinischen Aspekte im Überblick:

  • Schlaf und Biorhythmus: Die Umstellung im Frühjahr ist laut Studien mit Schlafmangel und einer Verschiebung der inneren Uhr („sozialer Jetlag“) verbunden.
  • Leistungsfähigkeit: Kurzfristig kann es zu Konzentrationsproblemen und verminderter Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag kommen.
  • Dauerhafte Sommerzeit kritisch: Vor allem im Winter würden viele Menschen dauerhaft in der Dunkelheit in den Tag starten – mit möglichen negativen Folgen für Wohlbefinden und Produktivität.

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass die Umstellung im Frühjahr den biologischen Rhythmus stört und die Anpassung mehrere Tage in Anspruch nehmen kann.

„Die innere Uhr orientiert sich am Tageslicht. Die Zeitumstellung kann diese natürliche Regulation stören und sich negativ auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit auswirken“, erklärt Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer (IBG). Besonders betroffen seien bei der Umstellung im Frühjahr die späten Chronotypen („Eulen“), im Herbst bei der Rückstellung die Frühaufsteher („Lerchen“). Bestehende Schlafstörungen könnten verstärkt werden.

Auch die häufig genannten Vorteile längerer heller Abende würden die gesundheitlichen Effekte nur teilweise ausgleichen. Flexible Arbeitszeitmodelle könnten zwar unterstützen, änderten jedoch nichts an der grundsätzlichen Verschiebung zwischen biologischer und sozialer Zeit.

IBG spricht sich daher weiterhin für die Beibehaltung der Normalzeit (Winterzeit) aus. Diese entspricht eher dem menschlichen Biorhythmus und bietet bessere Voraussetzungen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon rund 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und in ganz Österreich vertreten.

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Schlafstörungen: 10 Tipps gegen durchwachte Nächte

Immer mehr Menschen klagen über Schlafstörungen. Dabei verbringen wir rund ein Drittel unseres Lebens schlafend. Hier finden Sie 10 Tipps der IBG-Arbeitspsychologin Regina Nicham für einen besseren Schlaf.

▪ Schlaf ist aktive Regeneration

▪ Schlafqualität vor Schlafdauer
Entscheidend für Erholung und Leistungsfähigkeit ist nicht die Anzahl der Stunden, sondern die Qualität der Schlafzyklen mit ausreichend Tief- und REM (Traumschlaf)-Phasen.

▪ Schlafhygiene bewusst gestalten
Regelmäßige Zeiten, Rituale, ein ruhiges Umfeld und der bewusste Umgang mit Stress und störenden Gedanken können Durchschlafprobleme deutlich reduzieren und den natürlichen Rhythmus stabilisieren.

Wien, 24.02.2026. Schlaf ist kein passiver Zustand, sondern ein hochkomplexer Regenerationsprozess. Während wir schlafen, werden zentrale Körperfunktionen heruntergefahren, Zellerneuerung und Immunabwehr laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig verarbeitet das Gehirn Eindrücke des Tages und speichert sie im Langzeitgedächtnis. „Schlaf ist die Grundlage für unsere körperliche Stabilität und psychische Leistungsfähigkeit“, erklärt Regina Nicham, Leiterin der IBG-Arbeits- und Organisationspsychologie.

Aktuelle europäische Daten zeigen, dass Schlafstörungen weit verbreitet sind und enorme volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Rund zehn Prozent der Erwachsenen sind von Insomnie betroffen (Bassetti et al., European Journal of Neurology, 2026). Dennoch wird die Bedeutung von Schlaf im öffentlichen Gesundheitsdiskurs häufig unterschätzt.

Ein gesunder Schlaf verläuft in etwa 90-minütigen Zyklen mit unterschiedlichen Tief- und REM (Rapid Eye Movement, „Traumschlaf“) -Phasen. Mehrmaliges nächtliches Aufwachen ist dabei normal. Tiefschlaf findet vor allem in der ersten Nachthälfte statt, in der REM-Phase steigt die Gehirnaktivität, es wird intensiv geträumt. Entscheidend für die Erholung ist nicht nur die Schlafdauer (individuell unterschiedlich), sondern auch die Qualität des Schlafs. „Wer versucht, Schlaf zu erzwingen oder starren Normen zu entsprechen, setzt sich unnötig unter Druck“, betont Nicham. Da das Tagesbefinden von vielen Faktoren abhängt – Stress, Bewegung, Ernährung oder soziale Belastungen – ist ein schlechter Schlaf nicht immer die Ursache, wenn man sich unwohl fühlt.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Schlafstruktur. Müdigkeitsphasen treten häufiger auch tagsüber auf, die Gesamtschlafdauer kann sinken. Regelmäßigkeit, ausreichend Tageslicht und eine bewusst gestaltete Übergangsphase vom Arbeits- in den Ruhemodus stabilisieren den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.

Zehn Tipps für besseren Schlaf

  1. Regelmäßige Schlafzeiten
    Gehen Sie möglichst täglich zur gleichen Zeit zu Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf.  Viel natürliches Tageslicht hilft ebenfalls, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren.
  2. Müdigkeit ernst nehmen
    Nutzen Sie den Zeitpunkt, an dem Sie tatsächlich müde sind. Wer sich zu früh ins Bett legt, riskiert langes Wachliegen.
  3. Eine Pufferzone schaffen
    Beenden Sie fordernde Tätigkeiten rechtzeitig vor dem Schlafen. Die letzte Stunde sollte bewusst der Entspannung gewidmet sein. Lassen Sie vor dem Einschlafen den Tag noch einmal nur mit seinen schönen, positiven Momenten Revue passieren.
  4. Gedanken „abgeben“ statt grübeln
    Schreiben Sie wichtige Gedanken oder Sorgen vor dem Zubettgehen auf, um sie gedanklich abzulegen. Das entlastet und verhindert nächtliches Gedankenkreisen.
  5. Das Bett als Erholungsort nutzen
    Fernsehen, Arbeiten oder Essen im Bett stören die Schlafassoziation. Das Schlafzimmer sollte Ruhe und Entspannung signalisieren.
  6. Für ein gutes Raumklima sorgen
    Ideal sind 16–18 °C, regelmäßiges Lüften und ausreichend Dunkelheit (Dunkelheit regt die Produktion des Schlafhormons Melatonin an). Für Lichtquellen im Schlafzimmer gilt: warmes, indirektes Licht fördert die Entspannung.
  7. Lärm und Licht reduzieren
    Vermeiden Sie nächtliches Uhrenschauen. Störquellen wie Smartphones oder Straßenlärm sollten minimiert werden.
  8. Bewegung – aber richtig dosiert
    Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert den Schlaf. Intensive sportliche Einheiten kurz vor dem Schlafengehen sind jedoch ungünstig.
  9. Leicht essen, Alkohol vermeiden
    Die letzte Mahlzeit sollte spätestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen erfolgen. Alkohol, Nikotin und koffeinhaltige Getränke beeinträchtigen die Schlafqualität.
  10. Gelassen bleiben
    Wachphasen gehören zu einem normalen Schlafverlauf. Wer nicht schlafen kann, sollte die Situation jetzt einmal so annehmen, statt gegen sie anzukämpfen.

Fakten und Tipps rund ums Schlafen

Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren sind dies immerhin 25 Jahre! Während wir schlafen, kann sich unser Körper erholen und neue Energie tanken. Wie erholt wir uns am nächsten Morgen fühlen, hängt jedoch nicht nur von der Schlafdauer, sondern auch von der Schlafqualität ab.

WOFÜR brauchen wir den Schlaf

  • Geistige und körperliche Erholung, Energie tanken.
  • Zellerneuerungsprozesse, Regeneration des Immunsystems. Es werden sämtliche Körperfunktionen runtergefahren und es ist mehr Kraft dafür da, ungeliebte Erreger und Keime zu bekämpfen.
  • Verarbeitung und Speicherung von untertags erworbenen Eindrücken. Alle Dinge die der Mensch über den Tag verteilt gelernt und aufgenommen hat, werden während des Schlafens zunächst in den sogenannten Hippocampus zwischengespeichert. Im Anschluss erfolgt dann die Übertragung der Informationen in das Langzeitgedächtnis.
  • Durch die schlafbedingte Ausschüttung von Wachstumshormonen regenerieren sich die Muskeln und Zellen quasi über Nacht.

 Weitere Fakten zum Schlaf

  • Schlaf verläuft in 90-Minuten-Zyklen mit 5 Phasen. Der leichte Schlaf (1. Phase) ist kurz nach dem Einschlafen und wird bis zur 4. Phase (Tiefschlaf) immer tiefer. Die 5. Phase ist die REM-Phase (Rapid Eye Movement) – diese unterscheidet sich von den anderen Schlafphasen dadurch, dass hier die Muskeln völlig entspannt sind, mit Ausnahme der Augenlider. Herz- und Atemfrequenz steigen an, es wird am häufigsten geträumt. Tiefschlaf findet nur in der 1. Hälfte des Schlafes statt (15-20%).
  • Mehrmaliges Aufwachen gehört zu einem gesunden Schlaf.
  • Der Körper reguliert ein Schlafdefizit durch Schlafqualität nicht –quantität.
  • Regelmäßiger Schlaf ist wichtig, aber verpasster Schlaf ist für kurze Zeit unschädlich.
  • Das Tagesbefinden ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Schlechter Schlaf ist nicht immer die Ursache, wenn man sich unwohl fühlt.
  • Frühes Zubettgehen führt in der Regel zu frühem Erwachen. Der Tiefschlafanteil ist einschlafunabhängig.
  • Schlafdauer ist individuell unterschiedlich. Auch Langschläfer können die Schlafdauer für eine kurze Zeit unproblematisch verkürzen.
  • Schlafforscher:innen empfehlen eine durchschnittliche Schlafdauer von 7 Stunden. Bei langen Bettzeiten und geringer Schlafdauer ist es empfehlenswert die Bettzeiten insgesamt zu verkürzen (später zu Bett, früher aufstehen).
  • Das Schlafzimmer sollte eher kühl (16-18° C), gut gelüftet und nicht zu trocken sein (etwa 50% Luftfeuchtigkeit).
  • Kalte Füße sind nicht förderlich: scheuen Sie sich nicht, im Bett Socken zu tragen, warme Füße (und Hände) verkürzen die Zeit bis zum Einschlafen, wie Forschungsergebnisse belegen.

Selbst-Check, Tipps & Tricks

  1. Wie viele Stunden schlafen Sie durchschnittlich pro Nacht?

___ Stunden

Schlafdauer
SchlafforscherInnen empfehlen eine durchschnittliche Schlafdauer von 7 Stunden. Bei langen Bettzeiten und geringer Schlafdauer ist es empfehlenswert die Bettzeiten insgesamt zu verkürzen (später zu Bett, früher aufstehen).

  1. Um welche Uhrzeit gehen Sie für gewöhnlich zu Bett?
  • Um ca. _____ Uhr
  • Verschieden

Regelmäßigkeit
Versuchen Sie täglich zur selben Zeit schlafen zu gehen und zur selben Zeit aufzustehen – so bleibt Ihr persönlicher Schlaf-Wach-Rhythmus gut aufrecht. Viel natürliches Licht am Tag hilft ebenfalls, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Bei wechselnden Schichten bzw. Nachtarbeit versuchen Sie auch an arbeitsfreien Tagen zu festen Zeiten schlafen zu gehen.

Pufferzone schaffen
Rechtzeitig vor dem Zubettgehen sollten fordernde Aktivitäten (wie z.B. Arbeitsschritte, Planung des kommenden Tages, anstrengende Gespräche etc.) nach Möglichkeit abgeschlossen und der Rest der Zeit der Erholung gewidmet sein.

Den Tag positiv beenden
Lassen Sie vor dem Einschlafen noch einmal den Tag mit seinen schönen Momenten Revue passieren und verstärken Sie diese, indem Sie bewusst die Freude darüber spüren.

  1. Wie müde sind Sie abends vor dem Schlafengehen?
  • Sehr müde
  • Eher müde
  • Mittelmäßig müde
  • Wenig müde
  • Meistens hellwach

Selbstwahrnehmung schärfen
Die abendliche auftretenden subjektiven Ermüdungserscheinungen sollten wahrgenommen und zeitgerecht genutzt werden. Tipp: Gehen Sie dann zu Bett, wenn Sie ausreichend müde sind.

Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivitäten halten Sie gesund und fit und wirken sich auch positiv auf Ihren Schlaf aus. Sport vor dem Schlafengehen ist allerdings nicht förderlich, weil der Kreislauf dadurch aktiviert wird. Besser Bewegung untertags, Abendstunden ruhig gestalten.

  1. Wie lange dauert es normalerweise bis Sie einschlafen?
  • Bis zu 10 Minuten
  • Bis zu 30 Minuten
  • Bis zu einer Stunde
  • länger

Gedankenkreisen beim Einschlafen
Wenn Gedanken wichtig sind (eine gute Idee, etwas was Sie morgen unbedingt erledigen müssen, eine Lösung für ein Problem), oder Sorgen und Grübeleien nicht losgelassen werden können, ist es oft hilfreich, diese vor dem Zubettgehen aufzuschreiben und damit (gedanklich) abzulegen. Ebenso kann helfen, die Füße besser durchbluten zu lassen (z.B. Füße unter den kalten Wasserstrahl halten), um Energie aus dem Kopf abzuziehen.

Selbst auferlegter Zeitdruck beim Einschlafen
Bereits Faust stellte fest „Wer den Schlaf erzwingt, verscheucht ihn automatisch durch diese Anstrengung.“ Ersetzen Sie negative Gedanken über den schlechten Schlaf und seine Konsequenzen wie auch überzogene Vorstellungen über Schlafnormen durch alternative, realistische Gedanken.

Ernährung
Nehmen Sie die letzte Mahlzeit nicht später als zwei Stunden vor dem zu Bett-Gehen ein. Zu Empfehlen sind leichte Mahlzeiten mit frischem Fisch, gekochtem Gemüse, Blattsalaten, Kartoffeln sowie Kompott. Anstelle von aufputschenden Getränken, Alkohol und Nikotin nehmen Sie lieber ein Glas warmer Milch mit Honig zu sich oder einen schlaffördernden Tee. Die Inhaltsstoffe tragen zur nervlichen Beruhigung und zur Bildung des Schlafhormons Melatonin bei. Wenn Sie nachts aufwachen, essen Sie nichts. Regelmäßiges Essen in der Nacht führt nämlich innerhalb kurzer Zeit dazu, dass Ihr Körper von selber nachts wach wird, weil er erwartet, von Ihnen „gefüttert“ zu werden.

  1. Als wie tief würden Sie ihren Schlaf beschreiben?
  • Sehr tief
  • Mittelmäßig tief
  • Wenig tief, ich wache leicht auf

Schutz vor (Tages-)Lärm und (Tages-)Licht
Achten Sie darauf, dass das Schlafzimmer in einem möglichst ruhigen Teil des Hauses/der Wohnung liegt, schalten Sie Telefon und Türklingel ab und verwenden Sie evtl. Ohrstöpsel. Versuchen Sie, Ihr Schlafzimmer so gut wie möglich zu verdunkeln, um keine wach haltenden Lichtreize an Ihre Augen zu lassen. Je dunkler der Raum, umso mehr wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin angeregt.

Für die Lichtquellen im Schlafzimmer selbst gilt: Indirektes Licht, warmes, nicht zu helles Licht (unter 3.000 Kelvin) signalisiert dem Körper „Zeit zum Entspannen“. Für alle, die im Bett noch lesen wollen, reicht auch ein kleiner Spot, der sich auf das Buch richten lässt.

Ideales Schlafklima
Das Schlafzimmer sollte eher kühl (16-18° C), gut gelüftet und nicht zu trocken sein (etwa 50% Luftfeuchtigkeit).

  1. Schlafen Sie nachts durch?
  • In der Regel schon
  • Ich wache üblicherweise 1-2 Mal pro Nacht auf
  • Ich wache üblicherweise öfter als 2 Mal pro Nacht auf

Durchschlafstörungen
Wenn Sie nachts aufwachen und nach einigen Minuten nicht mehr einschlafen können, versuchen Sie die Augen bewusst offen zu halten und einen Punkt im Dunkeln zu fixieren. Wenn das nicht hilft, ist es am besten ohne Ärger oder Panik die Situation jetzt einmal anzunehmen. Manche Menschen beruhigt auch ein Schluck Milch, Wasser (ohne Kohlensäure!) oder ein schlafanstoßender Tee.

Mit dem Alter
Die Schlafqualität verändert sich – Müdigkeitsphasen treten auch am Tag öfter auf. Vorteilhaft für den Schlaf ist es, wenn auch im hohen Alter soziale Kontakte gepflegt und Dinge getan werden, die den Geist anregen.

  1. Wenn Sie nachts aufwachen, fällt es Ihnen schwer wieder einzuschlafen?
  • Nein
  • Ja, ich liege oft lange wach

Vermeiden Sie es, nachts auf die Uhr zu schauen
Der Blick zur Uhr löst zumeist direkt entsprechende gedankliche („3 Uhr – die Nacht kann ich mal wieder vergessen“) und körperliche Reaktionen (Anspannung, Erregung) aus und raubt den letzten Rest an Unbefangenheit gegenüber dem Schlaf. Drehen Sie am besten den Wecker so, dass Sie die Zeit nicht sehen können.

Aufstehen oder liegen bleiben?
Wenn Sie nachts nicht schlafen können und das Wachliegen als unangenehm oder sogar quälend erleben, sollten Sie besser aufstehen und an einem anderen Ort einer ruhigen Beschäftigung nachgehen. Wenn Sie hingegen entspannt und ruhig liegen bleiben können, bleiben Sie im Bett und genießen Sie bewusst die Erholung.

  1. Nehmen Sie Schlaftabletten?
  • Nein, noch nie
  • Ab und zu, Anlassgegeben
  • Regelmäßig
  • Ohne sie kann ich nicht einschlafen
  1. Schnarchen Sie?
  • Ja
  • Nein
  1. Wie gut schlafen Sie in stressigen Zeiten?
  • Eher gut
  • Mittelmäßig
  • Eher schlecht

Belastende Probleme
Probleme im Beruf oder im familiären Umfeld können zu einem erhöhten Stresspegel führen und Schlafstörungen hervorrufen. Es muss nicht alles alleine bewältigt werden. Es gibt viele Hilfen, die in Anspruch genommen werden können z.B. Psychologische Beratung, Coaching, Hausarzt, Schlaflabor, Psychotherapie, bei Bedarf Eheberatung oder Schuldnerberatung.

  1. Fühlen Sie sich nach dem Aufwachen frisch und munter?
  • Ja, relativ unmittelbar nach dem Aufwachen
  • Ja, innerhalb einer halben Stunde / nach dem Frühstück
  • Nur mittelmäßig bzw. erst im Laufe des Vormittags
  • Nein, ich fühle mich meist müde und energielos
  1. Im Bett
  • schlafe ich
  • lese ich
  • esse/trinke ich
  • sehe ich fern
  • arbeite/lerne ich

Entspannung
Das Bett sollte zu nichts anderem als zum Schlafen genutzt werden. Es ist nicht empfehlenswert dort fernzusehen, zu lernen oder zu essen. Nehmen Sie keine Probleme und auch keine Arbeitsunterlagen mit ins Bett. Ihr Bett sollte exklusiv für schöne Dinge reserviert sein! Darüber hinaus können Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Autogenes Training etc. hilfreich sein. Nicht zu empfehlen sind daher im Schlafzimmer Unordnung, Belastendes, Dinge, die bei einem selbst Aktivität, Anstrengung oder Arbeit suggerieren bzw. dafür stehen.

Schlafritual
Um sich auf das Schlafen vorzubereiten, kann es hilftreich sein sich vor dem Zubettgehen nach einem Arbeitstag noch etwas Zeit für ein persönliches Einschlafritual zu nehmen – z.B. ein nettes Buch, beruhigende Musik, ein kleiner Spaziergang oder ein Entspannungsbad.

Entspannungsübungen als Empfehlung

5-4-3-2-1-Übung

5 Dinge die Sie hören, 5 Dinge die Sie sehen, 5 Dinge die Sie spüren
4 Dinge die Sie hören, 4 Dinge die Sie sehen, 4 Dinge die Sie spüren (können auch dieselben sein)
3 Dinge die Sie hören, 3 Dinge die Sie sehen, 3 Dinge die Sie spüren
2 Dinge die Sie hören, 2 Dinge die Sie sehen, 2 Dinge die Sie spüren
1 Dinge die Sie hören, 1 Dinge die Sie sehen, 1 Dinge die Sie spüren
Atmen Sie nun drei Mal ganz bewusst ein und aus.

Oder

„Es geht mir gut.“ – „Alles ist ok.“ – „Ich bin in Ordnung.“
Mit den Füßen aufstampfen und sich strecken.

Tresorübung

Bei ihr geht es darum, etwas, was einen belastet, erst einmal wegzupacken. Da man aber weiß, dass man es doch noch einmal betrachten will, gibt man es in den Tresor. Dort ist es sicher aufbewahrt und kann so lange dort bleiben, bis man sich damit beschäftigen kann und will. Man stellt sich also einen Tresor vor, und dort kann man dann Bilder, innere Filme, alles Unangenehme, mit dem man im Moment nicht fertig wird, erst einmal deponieren. Man kann sie jederzeit wieder ganz bewusst herausnehmen – eigene Kontrolle.

Manchmal gelingt es nicht auf Dauer, die Dinge in den Tresor zu packen, dann muss man es wiederholen. Es ist aber immerhin schon ein Gewinn, die Erfahrung zu machen, dass es für eine Weile geht. Man bekommt damit auch die Erfahrung, etwas tun zu können.

Wolken Übung

Es hilft manchmal die Gewissheit, dass ein Gedanke kommen darf und wieder geht so wie Wolken auch am Himmel weiterziehen, die Vorstellung davon, dass eine Wolke eben kommt und auch wieder geht.

Dem Gedanken eine Farbe zu geben, soll eine Unterbrechung bewirken und somit auf eine andere Ebene führen. Der Ansatz lautet: „Geben Sie dem störenden Gedanken eine Farbe.“

Bauchatmung (im 4/4 Takt)

Die Bauchatmung stellt ein besonders schnelles und effektives Entspannungsverfahren dar, dessen entspannender Effekt in der Biofeedbackkontrolle (z.B. Hautleitwert, Puls, Temperatur) bereits nach 1-2 Atemzügen nachgewiesen werden kann.

Folgende Punkte sind bei der Bauchatmung zu berücksichtigen:

  1. Es wird nicht in die Brust geatmet, sondern in den Bauch.
  2. Der aktive Teil der Atmung ist die Ausatmung (Verminderung des CO2-Drucks).
  3. Einatmung ist Anspannung, Ausatmung ist Entspannung (bei einem Verhältnis von 1/4 Einatmen und 2/4 Ausatmen dominiert die Entspannung).
  4. Kurz und zügig einatmen und sofort übergehen in die langsame und entspannende Ausatmung.
  5. Eine Atempause wird nur nach dem Ausatmen, in der Entspannungsphase, gemacht.
  6. Entspannungsatmen: 7-8 Atemzüge pro Minute
  7. Achten Sie auf die Regelmäßigkeit der Atmung!

 1/4 kurz und zügig Einatmen -> 1/4/ Atempause -> 2/4 langsam und entspanntes Ausatmen

Die Bauchatmung stützt den Parasympathikus, der dem aktivierenden Sympathikus entgegenwirkt und für eine Verlangsamung des Herzschlages, Senkung des Blutdruckes, Erschlaffung der Skelettmuskulatur etc. sorgt.

 

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

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Sitzen – die Chance zur regelmäßigen Bewegung.

Warum langes Sitzen im Arbeitsalltag keineswegs harmlos ist – und was Unternehmen jetzt tun sollten.

  • Bewegungsmangel durch langes Sitzen zählt heute zu einem der unterschätzten Gesundheitsrisiken in der modernen Arbeitswelt. Es klingt paradox, aber jedes lange Sitzen bietet uns die Chance uns zwischendurch zu bewegen.
  • Denn wir wissen es alle: ein langes Verharren in einer starren Haltung ist ein Bewegungsmangel und widerspricht unserer Veranlagung, wir sind bewegte Wesen und dem müssen wir Rechnung tragen.
  • Eine regelmäßige Bewegung, sprich ein Wechsel der (Arbeits-) Haltung, ist für uns so essenziell wie das Atmen.
  • Die Bewegung zwischendurch bzw. der Haltungs-/Tätigkeitswechsel und somit das Wechselspiel von Be- und Entlastung aktiviert nicht nur unsere Muskeln, sondern hat allgemein einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Sitzen – mehr als nur unbequem

Moderne Erwerbsarbeit, Home-Office-Modelle und digitale Gewohnheiten führen dazu, dass Beschäftigte oft acht, neun oder mehr Stunden täglich im Sitzen verbringen. Zudem gibt es auch keinen Arbeitsstuhl , der allen unseren Bedürfnissen gerecht wird. Die Bewegung hingegen ist als All-Inclusive Medikament anzusehen – einzigartig, kostenlos, effektiv und ohne Nebenwirkungen: Studien beweisen, dass die regelmäßige Bewegung nicht für unseren Stürz- und Bewegungsapparat wesentlich ist, sondern generell eine sowohl kurative als auch präventive Wirkung hat:  Stressabbau, Gewichtsreduktion, Erhöhung der Knochendichte, bessere Schlafqualität, vermindertes Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall, Brust- und Darmkrebs sowie Diabetes Mellitus Typ2.

Expertenwarnung: nicht  auf die ersten Beschwerden warten, sondern vorher aktiv werden

„Die Konsequenzen eines überwiegend sitzenden Arbeitsalltags können gravierend sein. Das Sitzen bietet uns zwar Halt und Stabilität und die Möglichkeit uns zurückzulehnen aber verleitet uns auch zu einem statischen Arbeitstag in einer Zwangshaltung.“, erklärt Matthias Welkens, Gesundheitsexperte bei IBG. „Für Betriebe ist dies die Chance aus einem statischen einen dynamischen Arbeitsplatz zu machen, die Mitarbeitenden zu sensibilisieren und einzuladen sich trotz sitzendem Beruf regelmäßig zu bewegen. Für viele ist Bewegung nicht nur eine körperliche Wohltat, sondern auch ein Turbo für neue Ideen.“

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

IBG empfiehlt Betrieben Bewegung sowohl im Bereich der Verhältnis- als auch der Verhaltensergonomie in ihre Unternehmensstrategie und betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren:

  • Aktive Arbeits- und Pausenroutine: regelmäßig die Arbeitshaltung wechseln, kurze Bewegungseinheiten – idealerweise alle 2-3-mal pro Tag für wenige Minuten – anbieten und fördern, eventuell können diese auch von geübten Mitarbeitenden angeboten werden
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Stehpulte, elektrisch höhenverstellbare Arbeitstische, bewegungsfreundliche Sitzmodelle und Mikro-Aktivitätsangebote (z. B. Besprechung im Stehen oder Gehen, Bewegungszonen, aufzugsfreie Tage, Stehecken, …), ergonomische Arbeitsplatzberatungen, …
  • Bewegungs-Kultur verbessern: Sensibilisierungskampagnen, Workshops mit unterschiedlichsten Bewegungsangeboten zum Kennenlernen, Vorbildwirkung der Führungskräfte, um Mitarbeitende zu mehr Alltagsbewegung zu motivieren,
  • Betriebliche Angebote forcieren: Bewegungseinheiten wie Yoga- oder Stretching-Einheiten, flexible Arbeitsroutinen die die Bewegung fördern, Job-/Firmenrad, gemeinsame Teilnahme an Laufevents o.ä.

„Gesundheit im Betrieb darf nicht erst dann relevant werden, wenn Menschen krank werden“, so Welkens weiter. „Wir müssen präventiv denken und organisieren – damit das Sitzen nicht zur Belastung, sondern als positive Unterstützung wahrgenommen wird.“

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 80 Arbeitsmedizinern und Arbeitsmedizinerinnen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

 

Betriebliche Arbeitspsychologie braucht gesetzliche Verankerung

Arbeitspsychologische Betreuung der Mitarbeiter:innen ist ein strategischer Erfolgsfaktor für Unternehmen. Arbeitspsycholog:innen unterstützen Betriebe, Leistungsfähigkeit, Motivation und Stabilität ihrer Belegschaft nachhaltig zu sichern.

  • Arbeitspsychologie steigert Produktivität und beugt Überlastung vor, indem sie Arbeitsbedingungen gesünder und effizienter macht.
  • Das Arbeitnehmer:innenschutzgesetz verpflichtet Unternehmen zur systematischen Erhebung psychischer Belastungen und zur Umsetzung geeigneter Maßnahmen.
  • Die Beiziehung von Arbeitspsycholog:innen kann bereits heute im Rahmen der Präventionszeiten umgesetzt werden.
  • Die gesetzliche Integration der Arbeitspsychologie in das betriebliche Gesundheitsmanagement ist künftig notwendig, um eine nachhaltig gestaltete und produktive Arbeitswelt zu sichern.

 (Wien, am 11.12.2025)  Arbeitspsychologische Betreuung der Mitarbeiter:innen ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Unternehmensführung. Sie schafft die Voraussetzungen, dass Beschäftigte ihre Arbeit motiviert, konzentriert und gesund ausüben können. Die Herausforderungen sind für alle Betriebe gleich: hoher Zeitdruck, zunehmende Informationsflut, unklare Zuständigkeiten und eine Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung und neue technologische Entwicklungen ständig verändert.

Zwischenmenschliche Konflikte, Mobbing und übermäßiger Stress verschlechtern das Arbeitsklima, erhöhen Krankenstände und verringern die Produktivität. Für Gerhard Klicka, selbst Arbeitspsychologe und Geschäftsführer von IBG, macht „arbeitspsychologische Betreuung Belastungen in Unternehmen sichtbar, stärkt Ressourcen und schafft Strukturen, die sowohl Mitarbeiter:innen als auch Führungskräften Stabilität bieten.“ Psychisch gesunde Beschäftigte arbeiten effizienter, sind belastbarer, treffen klarere Entscheidungen und identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitsplatz. Arbeitspsychologie wirkt damit gleichzeitig präventiv und leistungssteigernd. Ihr Einsatz reduziert Fehlzeiten, stärkt die Einsatzfähigkeit von Teams und verbessert die Qualität der Zusammenarbeit.

Die Methoden der Arbeitspsychologie helfen, Überlastung und Reibungsverluste zu minimieren, die sich in vielen Betrieben in Form von Zeitdruck, Kommunikationsproblemen oder unnötigen Schleifen bemerkbar machen. Eine professionelle Analyse der Arbeitsbedingungen schafft Transparenz und liefert Antworten: Wo entstehen Belastungsspitzen? Welche Abläufe erzeugen vermeidbare Fehlerquellen? Welche Anforderungen sind unklar? Wo bremst schlechte Abstimmung die Leistung? Wenn diese Fragen strukturiert beantwortet sind, können Unternehmen Maßnahmen setzen, die unmittelbar wirken. Die Folgen sind geringere Fehlzeiten, ein stabiles Arbeitsklima, bessere Entscheidungsprozesse und eine höhere Produktivität.

Zentrales Werkzeug: Evaluierung psychischer Belastungen

In der Praxis umfasst arbeitspsychologische Betreuung mehrere Ebenen. Zunächst werden Arbeitsbedingungen analysiert – etwa Abläufe, Zusammenarbeit, Anforderungen oder Führung. Darauf aufbauend werden konkrete Maßnahmen entwickelt, die auf die jeweilige Organisation zugeschnitten sind: Workshops zu Zusammenarbeit und Kommunikation, Begleitung von Führungskräften, Unterstützung bei Veränderungsprozessen, Maßnahmen zur Stressreduktion oder Trainings zur Stärkung psychischer Gesundheit.
Die Evaluierung der psychischen Belastungen ist dafür das zentrale Tool: IBG führt diese Erhebungen seit vielen Jahren im Rahmen von Begehungen und Mitarbeiter:innenbefragungen mit dem Psychosozialen Belastungs-Modul2 (PBM2) durch. Ergänzend dazu erstellen die Arbeitspsycholog:innen von IBG objektive Arbeitsplatzbeurteilungen. Die Evaluierung erfolgt in zwei Schritten:

Mitarbeiter:innenbefragung mit PBM2

Alle Mitarbeiter:innen werden mit dem Modul zur Evaluierung psychischer Belastungen befragt. In den vergangenen fünf Jahren wurde das Verfahren von IBG bei mehr als 15.000 Personen eingesetzt, weshalb umfangreiche Benchmarks vorliegen. Bei Bedarf können spezifische Zusatzmodule – etwa zu Stress, Burnout, Führung, Schichtarbeit, Sicherheit, Mobbing oder Alternsgerechtigkeit – integriert werden.

Objektive Beurteilung gefährdeter Arbeitsbereiche

Auf Basis der Befragungsergebnisse werden jene Bereiche identifiziert, in denen erhöhte Belastungen bestehen. Diese Arbeitsplätze beurteilen Arbeitspsycholog:innen anschließend mit objektiven Verfahren (REBA). Aus den detaillierten Analysen lassen sich gezielte Maßnahmen ableiten. Vergangene Maßnahmenevaluierungen zeigten beispielsweise Verbesserungen von rund 10 % beim Zeitdruck, 6 % bei Überlastung oder 11 % im Umgang mit Gefahrenstoffen – jeweils für alle Mitarbeiter:innen eines Unternehmens

Vorgaben noch nicht umgesetzt

Trotz der klaren Vorteile nutzen viele Unternehmen das Potenzial arbeitspsychologischer Betreuung noch nicht. Häufig wird erst reagiert, wenn Belastungen spürbar sind oder Fehlzeiten steigen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass frühzeitige, systematische Maßnahmen deutlich wirksamer sind – sowohl für Beschäftigte als auch für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Die Beiziehung von Arbeitspsychologen und Arbeitspsychologinnen ist im Rahmen der Präventionszeiten möglich. Das bedeutet, sie werden während der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestzeiten tätig, die Unternehmen laut ASchG für Präventionsarbeit aufwenden müssen.

Das Arbeitnehmer:innenschutzgesetz (ASchG) liefert die gesetzlichen Vorgaben. Unternehmen sind verpflichtet, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Beschäftigte ihre Tätigkeit ohne körperliche oder psychische Gesundheitsgefährdung ausüben können. Seit 2013 ist die Evaluierung psychischer Belastungen ein verpflichtender Bestandteil des gesetzlichen Arbeitsschutzes. Betriebe müssen Belastungsfaktoren erheben, dokumentieren, Maßnahmen ableiten und deren Wirksamkeit überprüfen. Ziel ist eine Arbeitsumgebung, die Überforderung reduziert, Klarheit schafft und gesunde Leistungsfähigkeit ermöglicht.

Klare gesetzliche Verankerung

IBG fordert in diesem Zusammenhang gemeinsam mit dem Berufsverband der Österreichischen Psycholog:innen eine stärkere gesetzliche Verankerung arbeitspsychologischer Expertise im betrieblichen Alltag. Dazu gehören eine konsequentere Umsetzung der Evaluierung psychischer Belastungen, verbindlichere Standards bei der Gestaltung gesunder Arbeit sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung im gesamten Prozess.

Arbeitspsychologie soll keine optionale Zusatzleistung im Rahmen der arbeitsmedizinischen Grundbetreuung sein, sondern muss als integraler Bestandteil der betrieblichen Prävention verankert werden. Ziel ist eine Arbeitswelt, in der psychische Gesundheit systematisch geschützt wird und Unternehmen durch klar strukturierte Rahmenbedingungen unterstützt werden, die Qualität ihrer Arbeitsplätze kontinuierlich zu verbessern. IBG-Geschäftsführer Gerhard Klicka: „Eine Steuerung der psychischen Belastungen im Unternehmen senkt Krankenstände, verbessert die Mitarbeiter:innenbindung und erhöht die Produktivität.“ Arbeit muss für Mitarbeiter:innen sinnhaft sein.

 

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 80 Arbeitsmedizinern und Arbeitsmedizinerinnen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Ansprechpartnerin: Renate Ruhaltinger-Mader
M +43 (676) 38 49 022, Email presse@ibg.at I office@fabelhaft.biz

 

IBG erhält staatliches Gütezeichen „Familienfreundliches Unternehmen“

Wien, 12. November 2025 – Die IBG GmbH (Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement) GmbH) wurde mit dem staatlichen Gütezeichen „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet. Die Verleihung fand im feierlichen Rahmen der Aula der Wissenschaften in Wien statt, gemeinsam mit mehr als 100 weiteren Organisationen. Überreicht wurde die Auszeichnung von Familienministerin Claudia Plakolm, die die Bedeutung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen für die Zukunft Österreichs hervorhob.

IBG beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Frage, wie sich Familie und Beruf bestmöglich vereinbaren lassen. Dabei versteht das Unternehmen „Familie“ bewusst weit – als Verantwortung für alle Menschen, die Beschäftigten nahestehen. Mit der Zertifizierung „berufundfamilie“ setzt IBG nun einen wichtigen strukturierten Schritt, um familienfreundliche Maßnahmen weiterzuentwickeln und nachhaltig im Unternehmen zu verankern.

Der Zertifizierungsprozess startete im Frühjahr 2025 mit einer Analyse bestehender Angebote, gefolgt von Workshops mit Mitarbeiter:innen und Führungskräften. Das abschließende Audit durch den TÜV Austria im Herbst bestätigte die Erfüllung aller Kriterien. Die definierten Maßnahmen werden nun innerhalb eines dreijährigen Verbesserungsprozesses umgesetzt.

Das Audit „Beruf und Familie“ ist ein staatlich anerkanntes Instrument zur strategischen Weiterentwicklung familienfreundlicher Unternehmenspolitik. Österreichweit wurden bereits über 800 Unternehmen, Hochschulen sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zertifiziert – insgesamt profitieren mehr als 676.000 Beschäftigte davon.

IBG versteht die Auszeichnung als Auftrag: Die kommenden Jahre sollen genutzt werden, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu stärken und die Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu verbessern.

Weitere Informationen: www.familieundberuf.at | www.ibg.at

Foto: @ Harald Schlossko vlnr.  IBG-Bereichsleiter Matthias Welkens, MBA,IBG-Prokuristin Mag. Claudia Drescher-Braun, IBG-Geschäftsführer Dr. Gerhard Klicka, Claudia Plakolm, Bundesministerin für Europa, Integration und Familie

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 80 Arbeitsmedizinern und Arbeitsmedizinerinnen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

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IBG erneut mit dem AUVA-Gütesiegel ausgezeichnet.

Nachhaltiges Engagement für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz lohnt sich. Die IBG wurde auch im Jahr 2025 erneut mit dem AUVA-Gütesiegel „Sicher und gesund arbeiten“ ausgezeichnet.

Die feierliche Verleihung fand am Donnerstagnachmittag in der Sky Stage im 19. Stock des Tech Gate Vienna statt und bot einen beeindruckenden Blick über die Stadt Wien. Zu Beginn der Veranstaltung nahm Keynote-Speaker Walter Ablinger die Gäste mit auf eine bewegende Reise durch sein Leben. Nach einem schweren Arbeitsunfall im Jahr 1999, der ihn querschnittgelähmt zurückließ, fand Ablinger durch den Sport zurück ins Leben. Heute zählt er zu den erfolgreichsten Para-Radsportlern Österreichs und ist mehrfacher Paralympics-Sieger. Seine Geschichte steht sinnbildlich für Motivation, Durchhaltevermögen und gelebte Sicherheit.

Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zeichnet mit dem Gütesiegel Unternehmen aus, die sich in besonderer Weise für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz engagieren. IBG erhielt die Auszeichnung erstmals 2022 und konnte diese nun – dank kontinuierlicher Arbeit und nachhaltiger Verbesserungen – erneut erfolgreich bestätigen.

IBG-Geschäftsführer Gerhard Klicka und IBG-Bereichsleiter Matthias Welkens nahmen die Auszeichnung stellvertretend für das gesamte IBG-Team entgegen. „Sicherheit und Gesundheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis täglicher Achtsamkeit und Zusammenarbeit. Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement auch 2025 wieder Anerkennung findet.“

Mit dem erneuten Erhalt des AUVA-Gütesiegels bekräftigt IBG sein klares Bekenntnis zu einer sicheren, gesunden und zukunftsorientierten Arbeitswelt.

Foto: AUVA/ Richard Reichart. vlnr KommR Peter Engelbrechtsmüller, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Wien, IBG-Geschäftsführer Dr. Gerhard Klicka, IBG-Bereichsleiter Matthias Welkens, MBA

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 80 Arbeitsmedizinern und Arbeitsmedizinerinnen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

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„Gesunde Führung beginnt bei mir selbst“ – Wie Führungskräfte Burnout vorbeugen und Vorbilder werden

Burnout trifft immer mehr Führungskräfte. IBG-Arbeitspsychologin Regina Nicham spricht im Interview über Warnsignale, Schutzfaktoren und konkrete Schritte für gesunde Führung.

Frau Nicham, Burnout betrifft nicht nur Mitarbeiter:innen, sondern auch Führungskräfte. Woran merken Führungskräfte selbst, dass „die Belastung kippt“?

Die „Kipp-Punkte“, an denen Überforderung in ernsthafte Erschöpfung übergeht, sind nicht immer leicht zu erkennen. Entscheidend dabei ist die Veränderung zum eigenen Normalzustand.  Zentrale Warnzeichen, an denen Führungskräfte selbst merken können, dass „die Belastung kippt“ sind: Schlafprobleme, Antriebslosigkeit, innere Unruhe und Grübeln, man schaltet nach Feierabend nicht mehr ab und nimmt Themen mit in die Nacht. Auch Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, längere Bearbeitungszeiten sowie das Gefühl, gedanklich „kleben zu bleiben“. Körperlich zeigen sich häufiger Kopfschmerzen, Verspannungen oder diffuse Schmerzen sowie eine vermehrte Infektanfälligkeit. Im Verhalten zeigen sich oft Gereiztheit, sinkende Empathie, Leistungsabfall und sozialer Rückzug, Treffen mit Freund:innen oder sogar Familienzeit werden als Belastung erlebt. Dazu kommen ungünstige Gewohnheiten wie mehr Rauchen, ungesundes oder emotionales Essen oder auch steigender Alkoholkonsum. Entscheidend ist, diese Verschiebungen bei sich wahrzunehmen, anstatt sie wegzuschieben.

Neigen Führungskräfte besonders dazu, sich mit Substanzen „zu pushen“?

Ich würde das nicht ausschließlich an der Rolle festmachen, wobei die Frage grundsätzlich mit „ja“ zu beantworten wäre. Ausschlaggebend sind der erlebte Druck und die Frage wie weit es möglich und erlaubt ist selbst „Schwächen“ zu zeigen. Kritisch sind sogenannte Sandwich-Positionen. Erwartungsdruck von oben und unten, weniger Handlungsspielraum, zugleich hoher Anspruch an die eigene Performance – und die Angst, nicht zu entsprechen. Das erhöht das Risiko für ungesunde Kompensationsstrategien. Aber wie bereits erwähnt, betrifft das nicht nur Führungskräfte; Menschen unter ständigem Leistungsdruck greifen allgemein eher dazu.

Gibt es Persönlichkeitsstrukturen, die stärker gefährdet sind?

Die Ursachen sind immer multifaktoriell. Persönliche Faktoren wie ein sehr hoher Perfektionsanspruch, sehr hohe Ansprüche und Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen, können das Risiko erhöhen – wenn sie auf Systeme treffen, die Übergrenzen-Gehen belohnen. Genauso gibt es aber Schutzfaktoren im Arbeitsumfeld wie eine gesunde Fehler-, Anerkennungs- und Pausenkultur, klare Erwartungen und gelebte Wertschätzung. Bei solch einem Nährboden können Menschen mit denselben persönlichen Tendenzen auch gut zurechtkommen. Es ist das Zusammenspiel von Person und System.

Und wenn das Unternehmen diese Schutzfaktoren (noch) nicht bietet – wie komme ich da raus?

Gute Nachricht: Wir sind nicht hilflos, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Eigenverantwortung kann heißen, klare Grenzen zu benennen und aufzuzeigen, Erholung aktiv einzuplanen, Unterstützung einzufordern – Urlaub, Pausen, Vertretung. Oft lässt sich im „eigenen Kreis der Einflussnahme“ überraschend viel gestalten. Wenn allerdings grundlegende gesundheitsförderliche Praktiken dauerhaft fehlen und nicht geduldet werden, braucht es Mut zur Konsequenz – bis hin zum Systemwechsel. Die langfristige persönliche Gesundheit sollte immer vorgehen.

Welche Unterstützung ist in kritischen Sandwich-Rollen besonders hilfreich?

Selbstreflexion und Ehrlichkeit auch sich selbst gegenüber wie auch Coaching, Supervision oder arbeitspsychologische Beratung – präventiv und anlassbezogen. Reflexion der Führungsrolle sowie der Führungskultur, der erlebten Belastungen oder auch herausfordernder Situationen im Team; Training in Gesprächsführung und Früherkennung psychischer Belastungen sowie Raum für Selbstmanagement: Erholung, Abgrenzung, Priorisierung. Unternehmen, die Budgets und niederschwellige Zugänge dafür schaffen, investieren direkt in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Führungskräfte und damit auch in jene der Mitarbeiter:innen.

Wie können Organisationen Rahmenbedingungen schaffen, um Belastungen offen zu thematisieren?

Indem sie das Thema sichtbar machen: Sensibilisierungsvorträge, Workshops zu Stress- und Burnout-Prävention, praktische Pausen-Guidelines oder auch Rückzugsorte. Führungskräfte sollten Pausen vorleben – gemeinsam Mittagessen, auch mal den „Kaffeetratsch“ zulassen. Wichtig sind klare Regeln zur Erreichbarkeit, besonders im Homeoffice: Was wird erwartet – und was nicht? Transparenz verhindert Fantasien und beruhigt Druck. Ebenso zentral: soziale Verbundenheit stärken – Teamtreffen, Rituale, Formate, in denen man sich fragt „Wie geht’s dir wirklich?“. Dazu gehört die Fähigkeit, Veränderungen anzusprechen: „Ich habe bemerkt … Wie geht es dir damit?“ Diese Gesprächskultur stärkt Vertrauen und senkt die Hürde, früh Hilfe zu holen.

Begleitet IBG Unternehmen dabei konkret?

Ja. Zum einen präventiv: Wir machen Burnout-Prävention greifbar, klären Rollen von Führung – was gehört dazu, was nicht – und stärken persönliches Selbst- und Stressmanagement. Zum anderen systemisch: mit regelmäßigen Erhebungen, etwa der Evaluierung psychischer Belastungen und – wenn gewünscht – einem Burnout-Monitoring-Modul. So machen wir Risiken sichtbar und priorisieren Maßnahmen. Anlassbezogen unterstützen wir mit arbeitspsychologischer Beratung, Coaching und Führungskräfte-Sparring – bis hin zur Fall- und Teamanalyse, wenn vermehrt Krankenstände oder Fluktuation auftreten.

Was ist Ihr wichtigster Rat an neue Führungskräfte?

Gesunde Führung beginnt bei mir. Wie das Herz den Körper versorgt, versorge ich als Führungskraft mein Team – aber das gelingt nur, wenn ich selbst gut versorgt und gestärkt bin. Kernpunkte: erstens Erholung. Regeneration ist kein Luxus, sondern Leistungsgrundlage – Pausen, Urlaub, bewusste Unerreichbarkeit. Zweitens Realismus und Klarheit: Ziele gemeinsam auf Machbarkeit prüfen, transparent kommunizieren – auch Ungewissheit oder Grenzen. Das baut Vertrauen und Teamresilienz auf. Drittens Erfolgserlebnisse sichtbar machen: Stärken und das, was gelingt, regelmäßig würdigen – im Team und für sich selbst. Viertens Erreichbarkeit steuern: klare Regeln leben und Erwartungen bzw. Nicht-Erwartungen aussprechen. Fünftens Soziales fördern: Verbindung ist ein Schutzfaktor – auch als Ritual. Viele Teams starten Meetings mit einer Runde: „Was ist mir/ uns die letzte Woche gut gelungen, was ist gut gelaufen?“ Das ändert den Fokus, stärkt, gibt Energie und macht Erfolge greifbar.

Also auch kleine, wiederkehrende Rituale?

Unbedingt. Rituale verankern Kultur. Eine Minute Positives zu Beginn, ein kurzer „Pulse-Check“ zur Belastung am Ende – das kostet wenig und wirkt stark. Zu viel reiner Pragmatismus lässt die Beziehungsebene verkümmern. Doch genau sie trägt uns durch herausfordernde Phasen.

 

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Mag.a Regina Nicham ist Leiterin der IBG-Arbeits- und Organisationspsychologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung unterstützt sie Unternehmen dabei, eine positive Mental-Health-Kultur zu schaffen.

Ansprechpartnerin: Renate Ruhaltinger-Mader
M +43 676 38 49 022 | presse@ibg.at I office@fabelhaft.biz

 

Immer online? – Warum Dauererreichbarkeit krank machen kann.

Mobil, flexibel, jederzeit verfügbar – die moderne Arbeitswelt bietet enorme Möglichkeiten, stellt Beschäftigte und Führungskräfte jedoch vor neue Herausforderungen. Informations- und Kommunikationstechnologien haben den Arbeitsalltag beschleunigt und entgrenzt: Anrufe, E-Mails und Messenger-Nachrichten erreichen uns längst nicht mehr nur am Arbeitsplatz, sondern auch am Esstisch, im Urlaub oder kurz vor dem Einschlafen.

Ständige Erreichbarkeit – Chance oder Risiko für Gesundheit und Produktivität

Aus Unternehmenssicht kann diese ständige Erreichbarkeit Effizienz und Flexibilität fördern. Doch Studien zeigen: Dauerverfügbarkeit kann zu erhöhtem Stress, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und langfristig zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnouts führen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen – mit Folgen für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.

  • Flexibles Arbeiten und digitale Vernetzung können die Effizienz steigern, aber auch zur Belastung werden.
  • Ständige Erreichbarkeit verwischt die Grenzen zwischen Job und Freizeit, erhöht das Stresslevel und gefährdet langfristig Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
  • Wer permanent erreichbar ist, riskiert Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und im schlimmsten Fall Burnout.

Die IBG-Expertin und Arbeitspsychologin Regina Nicham empfiehlt:

  • klare, transparente Regeln zu Erreichbarkeitszeiten,
  • bewusste Offline-Phasen und verbindliche Antwortfristen,
  • das Ausschalten von Dienstgeräten im Urlaub oder Krankenstand sowie
  • „Stille Stunden“ für fokussiertes Arbeiten sind ebenfalls empfehlenswert.

Führungskräfte sollten hier Vorbilder sein.

Digital Detox ist keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern eine Gesundheitsstrategie: Man sollte gezielt Pausen vom Dauer-Online-Sein einplanen, berufliche Mails in der Freizeit meiden und aktiv Grenzen aktiv kommunizieren. So bleibt die Balance zwischen Arbeit und Erholung erhalten – zum Wohl von Mensch und Unternehmen.

Belastung mit vielen Facetten

Ständige Erreichbarkeit ist selten ein isolierter Faktor, sondern Teil einer komplexen Belastungsstruktur: steigende Arbeitsverdichtung, verkürzte Reaktionszeiten, der ungeschriebene Anspruch, „immer online“ zu sein. Neben den Risiken nennen Mitarbeitende auch Vorteile: größere Freiheit in der Arbeitszeiteinteilung, ortsunabhängiges Arbeiten und mehr Handlungsspielraum. Genau hier liegt die Herausforderung – den Nutzen flexibler Arbeitsmodelle zu bewahren, ohne Gesundheit und Erholung zu gefährden.

Digital Detox – bewusste Pausen vom Dauer-Online-Sein

Wer morgens vor dem Kaffee schon E-Mails checkt, unterwegs Nachrichten beantwortet oder im Urlaub „nur kurz“ ins Postfach schaut, kennt den Effekt: Abschalten fällt schwer, der Kopf bleibt im Arbeitsmodus. Über 77 % der Beschäftigten nutzen ihr Telefon auch außerhalb der Dienstzeit für berufliche Zwecke.

Digital Detox kann helfen, den Kopf freizubekommen, den Fokus zurückzugewinnen und neue Energie zu tanken. Mit einfachen, alltagstauglichen Tipps können Sie Schritt für Schritt mehr Balance in Ihren digitalen Alltag bringen.

  • Schalten Sie, wenn möglich, Ihr Diensthandy nach Feierabend und an den Wochenenden aus bzw. stellen Sie zumindest die Benachrichtigungsfunktion beim Eingang neuer E-Mails ab.
  • Bildschirmfreie Zeiten einführen, z.B. keine Geräte nach 20 Uhr.
  • Offline-Zonen schaffen, z.B. Schlafzimmer, Esstisch und morgens offline in den Tag starten.
  • Arbeiten Sie nicht mehr in der Stunde bevor Sie schlafen gehen, sondern nutzen Sie diese Stunde als Offline-Zeit. Schauen Sie vor dem Einschlafen nicht mehr aufs Handy (Schlafqualität!).
  • Schaffen Sie sich Zeiten, in denen Sie nicht erreichbar sind und kommunizieren Sie diese Zeiten klar. Informieren Sie auch Familie und Freunde, dass Sie weniger erreichbar sind.
  • E-Mails und Social Media bewusst nur zu bestimmten Zeiten checken.
  • Offline-Aktivitäten fördern: Spazieren gehen, kreativ sein, lesen, Sport treiben.

Fazit

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Belastung und Erholung ist nicht nur ein Gesundheitsfaktor, sondern auch entscheidend für nachhaltige Produktivität und Kreativität. Betriebliches Gesundheitsmanagement kann hier aktiv steuern – mit klaren Regeln, gelebter Vorbildfunktion und einer Unternehmenskultur, die Pausen und Erholungsphasen respektiert und als wichtig erachtet.

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Mag.a Regina Nicham ist Leiterin der IBG-Arbeits- und Organisationspsychologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung unterstützt sie Unternehmen, um eine positive Mental-Health-Kultur zu schaffen.

Ansprechpartnerin: Renate Ruhaltinger-Mader
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IBG erstellt erste Gemeinwohl-Bilanz – für mehr Verantwortung in der Wirtschaft

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die zeigt, dass Wirtschaft auch anders geht: gerecht, ökologisch, transparent und am Wohl aller orientiert. Statt reiner Gewinnmaximierung stehen Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und echte Teilhabe im Fokus – als Einladung zum Umdenken und als Weg in eine lebenswerte Zukunft.

  • Pionierarbeit für nachhaltiges Wirtschaften

    IBG bilanziert als eines der ersten Beratungsunternehmen im Bereich betriebliches Gesundheitsmanagement freiwillig nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ).

  • Ganzheitliche Betrachtung statt Gewinnmaximierung

    In einem strukturierten Prozess wurden alle Unternehmensbereiche unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten analysiert – von Lieferketten bis Mitarbeitendenbindung.

  • Verantwortung auf allen Ebenen

    Ziel ist es, die eigenen Werte wie Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und soziale Gerechtigkeit intern und extern konsequent umzusetzen und weiterzuentwickeln.

  • Impulse für eine zukunftsfähige Wirtschaft

    Mit der Gemeinwohl-Bilanz dokumentiert IBG den Anspruch, nachhaltiges Wirtschaften aktiv mitzugestalten – transparent, reflektiert und im Austausch mit Mitarbeitenden, Kund:innen und Partner:innen.

Teilen ist das neue Haben

Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und ökologische Balance – diese Werte gewinnen in der Unternehmenswelt zunehmend an Bedeutung. Auch IBG, das führende Beratungsunternehmen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements in Österreich, stellt sich dieser Verantwortung und hat 2024 seine erste Gemeinwohl-Bilanz erstellt und zertifiziert – freiwillig und bereits vor Inkrafttreten gesetzlicher Verpflichtungen.

Im Zentrum steht die Frage: Wie können Unternehmen aktiv zur ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit beitragen? Die Gemeinwohl-Bilanz orientiert sich an der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) und basiert auf der umfassenden Betrachtung von fünf zentralen Berührungsgruppen: Lieferant:innen, Eigentümer:innen und Finanzpartner:innen, Mitarbeitende und Kooperationspartner:innen, Kund:innen sowie die Gesellschaft und Umwelt.

Strukturierter Prozess – starke Ergebnisse

In einem intensiven sechsmonatigen Prozess wurden sämtliche Unternehmensbereiche nach den vier zentralen Werten der GWÖ-Matrix 5.1 analysiert:

  • Menschenwürde
  • Solidarität und soziale Gerechtigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Transparenz und Mitentscheidung

Der Fokus lag nicht nur auf den Stärken, sondern auch auf kritischen Aspekten wie etwa dem Umgang mit diskriminierenden Strukturen oder Lieferketten ohne nachvollziehbare Nachhaltigkeitskriterien.

Von der Theorie zur Praxis

Die größte Herausforderung für IBG: die ganzheitliche Einbeziehung aller fünf Standorte mit unterschiedlichen Anforderungen und Arbeitsweisen. Besonders greifbar war der Prozess im Bereich der Mitarbeitenden – dem Herzstück des Unternehmens –, während in Bereichen wie Lieferketten oder Mobilität neue Denkprozesse und Strategien initiiert wurden. So wurde etwa die Zusammenarbeit mit rund 500 Lieferant:innen neu bewertet – nicht nur nach Preis, sondern auch nach ökologischer und sozialer Verantwortung.

Auch das Mobilitätsverhalten wurde reflektiert. Trotz bereitgestellter Öffi-Tickets für Mitarbeitende zeigt sich, dass es besonders im ländlichen Raum oder bei dezentral gelegenen Kund:innen oft praktische Hürden gibt, die es künftig noch besser zu lösen gilt.

Warum IBG bilanziert

Mit der Gemeinwohl-Bilanz übernimmt IBG aktiv Verantwortung für eine ethisch orientierte Wirtschaft und setzt auf langfristige Nachhaltigkeit. Künftig soll alle zwei Jahre eine neue Bilanz erstellt werden, um Fortschritte zu dokumentieren und neue Impulse zu setzen.

Die Ziele dabei sind klar definiert:

  • Förderung langlebiger, regional wertschöpfender Produkte und Angebote
  • Schaffung sinnstiftender und sicherer Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung
  • Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Kund:innen und Lieferant:innen
  • Aktiver Umwelt- und Klimaschutz
  • Bewusstseinsbildung bei Mitarbeitenden, Entscheidungsträger:innen und Partner:innen
  • Unterstützung einer gesunden gesellschaftlichen Entwicklung

„Unsere Expertise im betrieblichen Gesundheitsmanagement soll nicht nur anderen helfen – wir wollen sie auch bei uns selbst wirksam anwenden und weiterentwickeln“, so Matthias Welkens, Verantwortlicher für die IBG-Managementsysteme. Ob Sicherheitsbegehung, Gefährdungsanalyse, Beratung oder medizinische Untersuchung – jede Maßnahme zählt und kann ein Beitrag für eine gesunde, gerechte und zukunftsfähige Arbeitswelt sein.

 

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

Matthias Welkens, MBA, Leiter des IBG-Bereichs Ergonomie und Arbeitssicherheit, Qualitäts-, Sicherheits- und Datenschutzmanagement

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Pension mit 67? Warum ein steigendes Pensionsantrittsalter in vielen Berufen nicht machbar ist.

Die Diskussion um die Erhöhung des Pensionsantrittsalters ist nicht neu. Die Regierung sucht angesichts der Budgetnöte, den Anstieg der wachsenden Pensionskosten zu dämpfen. Doch bleibt eine zentrale Frage: Ist die österreichische Bevölkerung überhaupt gesund genug, um länger zu arbeiten? Während einige Berufsgruppen problemlos länger tätig sein können, ist es für andere eine enorme Belastung. Dr. Gerhard Klicka, Arbeitspsychologe und CEO des Beratungsunternehmens IBG, Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH (200 Mitarbeiter:innen) gibt Einblicke, warum eine differenzierte Betrachtung nach Berufsfeldern nötig ist und welche Lösungen Unternehmen und Gesetzgeber finden müssen.

  • Berufsabhängige Belastungen: Während Dienstleistungsberufe oft bis ins hohe Alter ausgeübt werden können, sind bei Berufen mit körperlich anstrengenden Tätigkeiten klare Grenzen gesetzt.
  • Soziale Kompetenz als Stärke: Ältere Arbeitnehmer:innen bringen Erfahrung, Gelassenheit und soziale Fähigkeiten mit – wertvolle Ressourcen für Unternehmen.
  • Langfristige Planung erforderlich: Unternehmen und Politik müssen Lösungen finden, um alternsgerechte Arbeitsmodelle zu ermöglichen und Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden.

Provokant gefragt: Ist die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung überhaupt gut genug, um ein höheres Pensionsantrittsalter zu verkraften?

Dr. Gerhard Klicka:
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt sehr stark von der Branche, dem Standort und der Art der Tätigkeit ab. Manche Berufe ermöglichen längeres Arbeiten, andere nicht. Wer über Jahre hinweg körperlich schwer arbeitet, hat oft eine kürzere Lebenserwartung – für diese Menschen ist es nicht zumutbar, über das reguläre Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten zu müssen.

Anders sieht es in Berufen mit geringer körperlicher Belastung aus, etwa in der Wissenschaft oder im Management. Dort spricht nichts gegen eine längere Berufstätigkeit, und viele Menschen arbeiten bereits über das Pensionsalter hinaus. Bei uns gibt es zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, die mit über 70 Jahren noch voll berufstätig sind. Ich kenne einige Kooperationspartner in den Bundesländern, die das genauso sehen – nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil sie ihre Tätigkeit als sinnstiftend empfinden.
Diesen Menschen sollte man keine Steine in den Weg legen. Ich denke, die geplanten steuerlichen Erleichterungen für weiterarbeitende Pensionist:innen sind in diesem Zusammenhang sehr begrüßenswert.

Wie kann eine differenzierte Betrachtung nach Berufsgruppen aussehen?

Das wird zur Gretchenfrage. Wir haben in der Schwerarbeiterfrage erlebt, dass nicht immer die Belastung ausschlaggebend war, sondern das Geschick der gewerkschaftlichen Vertretung. Ich kann mir objektive Kriterien vorstellen, wie man den Pensionszugang regelt. Es ist eine arbeitsmedizinische Tatsache, dass es im Alter einen großen Unterschied macht, ob jemand körperlich oder geistig arbeitet. Gerade in Industriebetrieben oder in der Produktion gibt es Tätigkeiten, die mit zunehmendem Alter schwerer zu bewältigen sind – etwa Nachtschichten oder körperlich anstrengende Arbeiten. Hier müssen Politik und Unternehmen Lösungen finden.

Was macht das Alter mit den Menschen im Arbeitsalltag?

Es ist kein Geheimnis: Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt mit dem Alter ab, das geistige Potenzial bleibt in der Regel erhalten. Führungskräfte müssen das Stärke-Schwächen-Profil ihrer Mitarbeiter:innen nützen, das sich im Laufe der Lebensphasen verändert. Die zentrale Stärke Älterer ist die soziale Kompetenz. Mit zunehmendem Alter wächst die Gelassenheit, die Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und die Fähigkeit, Menschen einzuschätzen. Ältere Menschen sind vielleicht nicht mehr so schnell oder körperlich belastbar, aber sie bringen Bedachtsamkeit, Erfahrung und Besonnenheit mit. Man kann sagen, dass man mit 60 oder 65 Jahren souveräner mit Situationen umgeht als mit 20.

Was bedeutet das für das Arbeitsleben?

In der Personalführung ist es entscheidend, diese Vielfalt der Generationen zu nutzen – vom Berufseinstieg über die mittlere Karrierephase bis hin zur letzten Berufsetappe. Wer 50 Jahre lang immer nur dieselbe Tätigkeit ohne jeden Stimulus ausübt, freut sich auf die Pension. Aber wenn Menschen sich weiterentwickeln können, ihre Stärken anerkannt werden und sie neue Herausforderungen finden, dann bleiben sie motiviert und leistungsfähig.

Kommt der Ansatz in der Realität zum Tragen?

Es gibt es eine starke Differenzierung nach Unternehmensgröße. Ab 250 Mitarbeiter:innen gibt es ausreichend Managementressourcen, die sich der Frage des generationenübergreifenden Arbeitens und des Wissensmanagements widmen – schließlich geht mit jeder Frühpensionierung eine Menge Know-how verloren. In kleineren Unternehmen wird das Thema „gesundes Arbeitsleben“ eher stiefmütterlich behandelt. Die Argumente sind nicht neu: zu wenig Zeit, zu wenig Geld.

Aber was ist, wenn jemand gar nicht so lange arbeiten will?

Man kann Anreize schaffen. Wenn jeder Tag gleich ist, entsteht Frust. Zentral ist in dem Zusammenhang immer das Thema Weiterbildung: Vielfältige Kompetenzen erlauben neue Einsatzmöglichkeiten – und signalisieren Wertschätzung, die ältere Arbeitnehmer:innen anspornt. Das braucht natürlich eine Strategie, der man Zeit gibt, sich zu entwickeln. In Halbjahreszyklen geht das nicht.

Wie sollen Unternehmen mit den sich verändernden Kompetenzen und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter:innen umgehen?

Ein Flughafenmitarbeiter, der jeden Tag schwere Koffer verladen muss, wird das mit 50 oder 55 körperlich nicht mehr schaffen. Wenn wir solche Berufe nicht rechtzeitig umstrukturieren, landen diese Menschen in der Arbeitsunfähigkeit – und das belastet am Ende uns alle. Deshalb wäre es sinnvoll, schon bei der Arbeitsplatzbeschreibung zu überlegen: Welche Tätigkeiten sind für welche Altersgruppen geeignet? So wie bei Kinderspielen Altersangaben gemacht werden („ab 10 Jahren“), könnte man auch für Berufe arbeitsmedizinisch begründet festlegen, bis zu welchem Alter sie noch gesund ausgeübt werden können. Dies könnten Leitlinien mit Empfehlungscharakter sein.

Aber würde das nicht dazu führen, dass Unternehmen ältere Mitarbeiter:innen früher entlassen?

Diese Gefahr besteht, ja. Manche Firmen versuchen, Mitarbeiter:innen in körperlich anspruchsvollen Berufen frühzeitig loszuwerden. Dass viele Betriebe die Wucht der Demografie immer noch nicht verstanden haben, zeigt die Tatsache, dass Alterskündigungen auch in weniger belastenden Berufssparten an der Tagesordnung sind. Unternehmen, die sich nicht um ihre ältere Belegschaft kümmern, werden in fünf bis zehn Jahren akuten Personalmangel haben.

Wenn das Pensionsantrittsalter steigt, aber die Rahmenbedingungen nicht mitwachsen, haben wir ein Problem.

Ganz genau. Wir brauchen langfristige Konzepte, um die Menschen gesund bis zur Pension zu begleiten.

 

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 200 Mitarbeiter:innen, davon 80 Arbeitsmediziner:innen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

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