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Karzman im Interview

Punktgenau: Erfolg = Maßnahme + Präferenz

Gesundheit zu fördern ist ein komplexer Prozess. Das körperlich Richtige kann zum Falschen führen, wenn das Richtige nicht gewollt, nicht verstanden wird. Angebliche oder »objektiv definierte« gesundheitsfördernde Maßnahmen können, müssen aber nicht Gesundheit fördern. Die Einstiegspforte ist die »subjektive Präferenz« der Mitarbeiter:innen. Dies verlangt Information und Bewusstseinsbildung vor Einführung von Maßnahmen.

Gesundheitsgewinn entsteht nur dann, wenn Mitarbeiter:innen von einer wissenschaftlich richtigen Maßnahme auch subjektiv überzeugt sind und sie mittragen wollen. Ein Beispiel: IBG hat vier Banken bei der ergonomischen Umgestaltung lt. ASchG begleitet. Unter anderem wurden ergonomisch affinere, vermeintlich bessere Bürotische, Monitore etc. angeschafft.

Die Auswirkung der Umgestaltung

auf Stress und Befindlichkeit wurde daraufhin von IBG evaluiert. In zwei Banken wurde die neue Einrichtung als Verbesserung und Erleichterung mit weniger Stress und gesundheitsfördernder erlebt. In den beiden anderen Banken wurde die wissenschaftlich »bessere ergonomische« Gestaltung als negativ mit mehr Stressempfinden und Gesundheitsbelastung erlebt. Die Hintergrundanalyse ergab: Bei den Banken mit Gesundheitsgewinn erfolgten Workshops VOR der Umgestaltung, wo die Gründe und Verbesserungspotenziale der Neuanschaffungen dargelegt und diskutiert wurden. Die beiden anderen Banken mit Stress- und Belastungszunahme hatten die Vorinformation lediglich ins Intranet gestellt.

Fazit:

Die Einbeziehung der Betroffenen vermittelte Wertschätzung und führte durch eine bejahende Bewusstseinsbildung zu nachhaltiger und höherer Produktivität.

Sicher arbeiten: Arbeitsunfälle im Visier

Laut der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) gab es 2024 knapp 92.000 Arbeitsunfälle erwerbstätiger Personen, 103 davon waren tödlich. Glücklicherweise sinken die Zahlen in den letzten Jahren immer weiter – 1980 waren es mit knapp 190.000 Arbeitsunfällen noch mehr als doppelt so viele Verletzte. Dennoch: jeder Unfall ist einer zu viel: eine eingehende Analyse der Ursachen zahlt sich aus.

Wenn die Unfallmeldung die einzige Analyse bleibt

Sofern eine Unfallmeldung ausgefüllt werden muss, ist dies leider oft die einzige »Analyse« des Unfalls. Unfälle ohne gesetzliche Meldepflicht fallen zumeist unter den Tisch bzw. verschwinden im Trubel des Alltags unter der Werkbank oder dem Schreibtisch.

Noch weniger Aufmerksamkeit bekommen in vielen Unternehmen Ereignisse, die beinahe zu einem Unfall geführt haben – obwohl hier eigentlich eine Meldepflicht der Mitarbeitenden an die Verantwortlichen besteht.

Fehlerkultur etablieren

»FEHLER« können auch zum »HELFER« werden (bitte einfach die Buchstaben dazu umdrehen). Ein genauer Blick auf Arbeitsunfälle und unsichere Handlungen lohnt sich, denn so können nicht nur die Unfallzahlen und das damit verbundene menschliche Leid reduziert werden, sondern nachhaltig Prozesse verbessert, potenzielle »Stolperfallen « verhindert und Investitionen optimiert werden.

Gelebte Praxis

Ist die Schnittverletzung tatsächlich passiert, weil der Mitarbeitende einfach Pech gehabt hat oder vermeintlich ungeschickt ist? »Da muss er halt besser aufpassen« sind oft häufig beliebte Lösungsstrategien, aber wenig zielführend. Eine detaillierte Betrachtung rechnet sich:

  • Arbeitsmittel
    Wurde das falsche Werkzeug verwendet? Und wenn ja, warum? War das Richtige nicht verfügbar oder ist es für die betroffene Person nicht passend, haben sich eventuell »Workarounds« eingeschlichen? Was sind die Hintergründe dafür? Gibt es bessere (sicherere!) Alternativen?
  • Ursachen
    Was war an diesem Tag anders als sonst? Gab es Zeitdruck?
  • Verhalten
    Wie war die Handhabung, wurde eventuell zum Körper geschnitten oder war die Klinge zu weit ausgefahren oder vielleicht nicht fixiert?
  • Schutzkleidung
    Ist eventuell eine Persönliche Schutzausrüstung notwendig bzw. wurde diese (falls vorgeschrieben) überhaupt getragen? Welche Hintergründe könnte das haben – falsche Größe, unbequem, ungeeignet, fehlende Verfügbarkeit (Lieferkette?!), Unwissenheit,…?
  • Vorgaben
    Sind dem Betroffenen die internen Vorgaben für diesen Arbeitsschritt bekannt? Sind sie in der richtigen Sprache verfügbar? Mit wenigen konkreten und vertiefenden Fragestellungen und gemeinsamen Betrachtungsweisen können hier oft technische, aber auch organisatorische Mängel systematisch erfasst und strategische Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Voraussetzung für sicheres Arbeiten ist eine breite Beteiligung und der ernsthafte Wille, den fortlaufenden Verbesserungsprozess für sichere und gesunde Arbeitsplätze aktiv zu gestalten sowie die Vorbeugemaßnahmen zur Verhütung ähnlicher Ereignisse voranzutreiben.

Foto: Franz26 ai generated; pixabay

Enzymexposition im Griff: Prävention durch Arbeitsmedizinische Vorsorge

Enzyme sind in vielen industriellen Produktionsprozessen unverzichtbar. Sie werden etwa in der Lebensmittelherstellung, Waschmittelproduktion, Biotechnologie sowie in Fermentations- und Veredelungsprozessen eingesetzt. Aufgrund ihrer hohen biologischen Aktivität sind Enzyme jedoch nicht nur nützliche Hilfsstoffe, sondern auch potenzielle Auslöser allergischer Sensibilisierungen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Enzymexposition

Für die Arbeitsmedizin ergibt sich daraus die zentrale Aufgabe, exponierte Beschäftigte frühzeitig zu identifizieren, Risiken fundiert zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Ein wesentliches Instrument hierfür ist die, für die Mitarbeiter:innen freiwillige, arbeitsmedizinische Enzymvorsorge. Auch in hochmodernen, geschlossenen Produktionssystemen lässt sich eine Exposition nicht vollständig ausschließen. Bereits kleinste Mengen freigesetzter Enzyme können über die Atemwege, die Haut oder Schleimhäute in den Körper gelangen.

Sensibilisierung als unbemerkte Vorstufe einer Allergie

Das Immunsystem reagiert auf diese Fremdstoffe mit der Bildung spezifischer Antikörper (IgE). Dieser Prozess wird als Sensibilisierung bezeichnet und stellt die Vorstufe einer Allergie dar. In diesem Stadium sind Betroffene häufig noch beschwerdefrei – die gesundheitliche Relevanz wird daher leicht unterschätzt.

Prävention durch Enzymuntersuchungen

Ohne geeignete Präventionsmaßnahmen kann sich aus einer Sensibilisierung jedoch eine manifeste allergische Erkrankung entwickeln, etwa in Form von Atemwegsbeschwerden oder Asthma. Arbeitsmedizinische Enzymuntersuchungen ermöglichen die frühzeitige Identifikation solcher Veränderungen. Bestimmt werden spezifische IgE-Antikörper gegen relevante Enzyme. Die standardisierte Bewertung erlaubt eine klare Einordnung des individuellen Risikos und schafft Transparenz für weitere Maßnahmen.

Strukturierter Ablauf der Untersuchung

Der Ablauf der Untersuchung folgt einem strukturierten Schema:

  • Ärztliche Anamnese als wesentlicher Bestandteil der individuellen Risikobewertung
  • Blutabnahme zur labordiagnostischen Untersuchung in einem spezialisierten Labor
  • Ärztliche Befundbesprechung und Einordnung in den arbeitsplatzbezogenen Kontext
  • Nachvollziehbare Dokumentation

Von der Befundbewertung zu gezielten Schutzmaßnahmen

Diese Prozessstruktur erhöht die Verlässlichkeit der Ergebnisse und minimiert Fehlerquellen. Auffällige Befunde werden ärztlich abgeklärt und können weitere Maßnahmen wie Arbeitsplatzanalysen oder Anpassungen von Schutzmaßnahmen auslösen.

Fazit

Die arbeitsmedizinische Enzymuntersuchung ist ein zentrales Instrument zur Sicherstellung von Gesundheit und Prozessstabilität im industriellen Umfeld. Durch die Kombination aus medizinischer Expertise, strukturierten Abläufen und gezielter Prävention entsteht ein Mehrwert für alle Beteiligten. Sie leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Gesundheit der Mitarbeiter:innen.

Foto: Gerd Altmann, pixabay

 Gesundheitszirkel: Gemeinsam Gesundheit im Unternehmen stärken

Steigende Arbeitsbelastung, zunehmender Fachkräftemangel und höhere psychische Anforderungen stellen Unternehmen heute vor große Herausforderungen. Gleichzeitig gewinnt ein gesundes Arbeitsumfeld immer stärker an Bedeutung – insbesondere in produktionsnahen Bereichen, in denen körperliche und mentale Belastungen oft unmittelbar spürbar sind.

Gemeinsam Belastungen erkennen und Ressourcen stärken

Genau hier bieten Gesundheitszirkel eine besonders wirksame Möglichkeit, Belastungen sichtbar zu machen und gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln, aber auch Ressourcen zu stärken.

Was ist ein Gesundheitszirkel?

Ein Gesundheitszirkel ist ein strukturierter und moderierter Gruppenprozess, in dem Mitarbeiter:innen ihre Erfahrungen und Perspektiven aus dem Arbeitsalltag aktiv einbringen. Die zentrale Idee dahinter: Mitarbeiter:innen sind Expert:innen ihres eigenen Arbeitsbereiches. Gemeinsam werden gesundheitliche Belastungen, Ressourcen und Verbesserungspotenziale analysiert sowie konkrete Maßnahmen erarbeitet. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Problemen, sondern vor allem auf praktikablen Lösungen, die im Arbeitsalltag umsetzbar sind.

Einblicke, die klassische Befragungen nicht liefern

Besonders wertvoll ist der direkte Einblick in die tatsächlichen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter:innen. Viele Belastungen werden in Kennzahlen oder klassischen Befragungen nur teilweise sichtbar. Gesundheitszirkel ermöglichen hingegen einen offenen Austausch über Themen wie Arbeitsabläufe, Zusammenarbeit, Kommunikation, Führung oder organisatorische Schnittstellen. Dadurch ergeben sich oft entscheidende Erkenntnisse, die ohne Beteiligung der Mitarbeiter:innen verborgen bleiben würden.

Unternehmen profitieren dabei mehrfach

Belastungen können frühzeitig erkannt und reduziert werden, wodurch langfristig Fehlzeiten und Krankenstände gesenkt werden können. Gleichzeitig verbessert sich die Zusammenarbeit und Mitarbeiter:innen erleben, dass ihre Erfahrungen und Anliegen ernst genommen werden. Zeitgleich entstehen praxisnahe Maßnahmen mit hoher Akzeptanz, da diese direkt von den betroffenen Beschäftigten mitentwickelt werden. Gesundheitszirkel leisten damit nicht nur einen Beitrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung, sondern stärken auch Motivation, Identifikation und Unternehmenskultur.

Aus der Praxis: Gesundheitszirkel bei LAT Nitrogen Linz

Wie wirkungsvoll Gesundheitszirkel sein können, zeigt das Beispiel von LAT Nitrogen Linz: »Mit dem durchgeführten Gesundheitszirkel sowie den Fokusgruppen konnten die gesundheitlichen Belastungen unserer Mitarbeiter:innen umfassend analysiert werden. Besonders wertvoll war, dass die Teilnehmer:innen konkrete Maßnahmen vorgeschlagen haben, von denen ein Großteil bereits umgesetzt werden konnte«, erklärt Susanne Riedl, Health & Safety Expert bei LAT Nitrogen Austria.

Gerade dieses Praxisbeispiel zeigt den entscheidenden Mehrwert: Mitarbeiter:innen liefern nicht nur Rückmeldungen, sondern überlegen sich auch konkrete Lösungen für ihren Arbeitsbereich.

Gesundheit gemeinsam gestalten

IBG begleitet Unternehmen professionell bei der Planung, Moderation und Umsetzung von Gesundheitszirkeln. Durch die externe Moderation entsteht ein vertrauensvoller Rahmen, der offenen Austausch ermöglicht und nachhaltige Veränderungsprozesse unterstützt.

Nachhaltiger Mehrwert für Mitarbeiter:innen und Unternehmen

Gesundheitszirkel verbinden Gesundheit, Beteiligung und Organisationsentwicklung – und schaffen damit einen echten Mehrwert für Mitarbeiter:innen und Unternehmen gleichermaßen. Sie unterstützen Unternehmen dabei, Motivation, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit langfristig zu stärken und gleichzeitig ihre Attraktivität als Arbeitgeber:in zu erhöhen.

Foto: (c) this_is_engineering; pixabay

Schalten Sie einfach mal ab!

Immer mehr Menschen gelingt es nicht mehr nach der Arbeit so richtig  abzuschalten und den Feierabend zu genießen.

Ein Grund dafür ist die durch moderne Medien und neue Technik (Umgang mit der ständigen Erreichbarkeit) immer häufiger verschwimmende Grenze zwischen Arbeit und Freizeit sowie eine negative Auswirkung auf die Erholungsfähigkeit. Wie kann es gelingen, bewusster zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen und „besser“ abzuschalten:

  • Etablieren Sie ein Abschaltritual. Nutzen Sie die letzten fünf Minuten des Arbeitstages, um sich auf die Erfolge des Tages zu fokussieren oder verwenden Sie den Heimweg für Ihre Lieblingsmusik.
  • Kleine Alltagsrituale helfen, die Arbeit innerlich abzuhaken und einen Übergang zur Freizeit zu markieren, z.B. Tisch aufräumen, Auto bewusst absperren, Arbeitstasche abstellen, … und dabei denken „Das war‘s für heute.“
  • Unerledigte Aufgaben erschweren oft das Abschalten und Loslassen: Schreiben Sie alles Unerledigte oder Gedanken auf – damit ist der Kopf freier und entlasteter.
  • Achtsamkeit üben: sich hinsetzen und zur Ruhe kommen, den Atemrhythmus und den Puls beobachten
  • Digital Detox: Wenn möglich, schalten Sie das Diensthandy außerhalb der Arbeitszeit aus bzw. stellen Sie zumindest die Benachrichtigungsfunktion beim Eingang neuer E-Mails ab.
  • Gestalten Sie Ihre Freizeit bewusst und vereinbaren Sie auch Termine mit sich selbstJ
  • Körperliches Training und Verbesserung der eigenen Fitness kann ebenso helfen.

 

Stressfreie Rückkehr in den Arbeitsalltag

Hunderte Emails, die darauf warten bearbeitet zu werden, ein Anruf nach dem anderen und stapelweise Unterlagen, die sich während des Urlaubs auf deinem Schreibtisch angehäuft haben. Kein Stress bei der Rückkehr aus dem Urlaub!?

Aber wie?

  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Ankommen anstatt sich gleich in Arbeit zu stürzen, kommen Sie z.B. schon am Samstag zurück, damit der erste Tag nach der Rückkehr nicht gleichzeitig der erste Arbeitstag ist.
  • Vielleicht gibt es die Möglichkeit des Homeoffice, die Sie am ersten Tag nutzen können. So könnten Sie sich entspannt durch die vielen Emails lesen und sich einen Überblick verschaffen.
  • Hilfreich kann auch sein, sich eine Prioritäten-Liste zu setzen.
  • Kommunizieren Sie eine spätere Rückkehr, v.a. an jene Kund:innen und Kolleg:innen, mit denen Sie nicht unmittelbar zusammenarbeiten.
  • Planen Sie wichtige Termine ab Ende der ersten oder ab der zweiten Arbeitswoche So bewahren Sie sich die neu gewonnene Energie!
  • Es kann auch hilfreich sein, die Gewohnheiten aus dem Urlaubsalltag in den Arbeitsalltag zu integrieren, z.B. Mittagessen beim Griechen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine entspannte Rückkehr!

Zitronenwasser

Hitzetage machen uns zu schaffen. Gerade bei großer Hitze gibt der Körper durch Schwitzen vermehrt Flüssigkeit ab. Es ist daher wichtig, diese durch regelmäßiges Trinken – am besten Wasser – zu ersetzen. Um sich noch mehr zu erfrischen, können Sie dem Wasser Zitronensaft zusetzen. Damit unterstützen Sie auch Ihren Stoffwechsel.

  • Die Zitrone wird seit Jahrhunderten als natürliches Heilmittel eingesetzt.
  • Zitronensaft ist reich an Kalium, Phosphor und Pektin und enthält neben Flavonoiden viel Vitamin C (53 mg/100 g).
  • Vitamin C ist ein Radikalfänger und hat eine antioxidative Wirkung. Damit wird die Immunabwehr gestärkt und der Organismus vor Infektionen geschützt.
  • Ebenso wirkt Vitamin C bei der Kollagenbildung mit und sorgt so für straffe Haut und Bindegewebe. Die antioxidativen Eigenschaften können zudem präventiv gegen Schäden durch UV-Strahlung wirken.
  • Vitamin C ist außerdem ein wichtiger Cofaktor beim Aufbau von Aminosäuren, beim Cholesterinabbau und bei der Serotoninsynthese. Serotonin ist ein Gewebsbotenstoff, der unter anderem für eine ausgeglichene Stimmungslage wichtig ist. Auch die Eisenaufnahme im Dünndarm wird durch Vitamin C begünstigt.
  • Kalium ist wichtig für den Elektrolythaushalt. Es wirkt entwässernd und somit auch entgiftend.
  • Pektin unterstützt eine ausgeglichene Darmflora und verzögert die Zuckeraufnahme, was sich wiederum positiv auf den Zucker- und Cholesterinspiegel auswirkt.
  • Zitronensaft regt den Gallefluss an und unterstützt somit die Fettverdauung.

Im Ayurveda wird empfohlen, morgens ein Glas lauwarmes Wasser (gekocht und abgekühlt) mit dem Saft einer halben Zitrone zu trinken, um Entgiftungsprozesse im Körper zu unterstützen und den Stoffwechsel anzuregen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der kühlende Effekt der Zitrone genutzt. In der TCM werden die Organe Lunge, Magen und Leber damit in Verbindung gebracht. Zitronen werden auch bei Husten eingesetzt, da sie schleimlösend wirken.

Die unsichtbare Gefahr: Ultraviolette Strahlung

Man spürt, riecht oder hört sie nicht, sodass alle unsere körpereigenen Warnsysteme versagen: die UV-Strahlung! Als Teil der Sonnenstrahlung, die sich aus sichtbarem Licht, Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) und ultravioletter Strahlung zusammensetzt, wird sie entsprechend der Wellenlänge in UV-A, UV-B und UV-C unterteilt.

Arten der UV-Strahlung und ihre Wirkung

Das langwellige UV-A (315–400 nm) dringt tief in die Hautschichten ein und bewirkt Elastizitätsverlust und Faltenbildung, das sogenannte „Photoaging“. UV-B (280–315 nm) ist dagegen kurzwelliger, wirkt in den oberen Hautschichten und verursacht Entzündungsreaktionen sowie bösartige Krebserkrankungen. UV-C (100–280 nm) ist als energiereichster Anteil für die Zellen sehr schädlich (künstliches UV-C wird daher beispielsweise zur Desinfektion genutzt). In natürlicher Form wird es aber von der Erdatmosphäre fast vollständig abgefangen.

Haut und Augen – besonders gefährdete Körperregionen

UV-Strahlung entfaltet ihre Wirkung auf allen ungeschützten Körperstellen, also sowohl auf der Haut als auch in den Augen. Zu den gefährdeten, exponierten Hautarealen zählen Gesicht, Nacken, Ohren, Unterarme und Handrücken.

Akute und langfristige Gesundheitsschäden

Akute entzündliche Hautreaktionen erkennen wir als Sonnenbrand durch Rötung mit brennenden Schmerzen und möglicher Blasenbildung, während die Augen mit Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit und Schmerzen auf eine Photokeratitis („Schneeblindheit“), eine Entzündung der Bindehaut oder der Hornhaut, reagieren. Während die akuten Beschwerden wieder abklingen, können langfristige Auswirkungen der UV-B-Strahlung auf die Haut sein: die Entstehung von aktinischen Keratosen („Sandpapierhaut”), einer Vorform von Hautkrebs, die zu 10 % bösartig entarten, sowie das Auftreten von Plattenepithelkarzinomen und Basalzellkarzinomen bzw. von malignem Melanom, das durch sein invasives Wachstum rasch metastasiert. Daher sind eine Frühdiagnose und operative Entfernung entscheidend für die Heilungschancen! Fehlender Augenschutz kann wiederum langfristig zu Netzhautschäden und Linsentrübung (Katarakt/grauer Star) führen. Die individuelle UV-Empfindlichkeit hängt vom Hauttyp (Fitzpatrick-Skala Typ 1–6) ab. Auch die Strahlungsintensität variiert je nach Jahres- und Tageszeit, Oberflächen oder Höhe.

Wann die UV-Strahlung besonders intensiv ist

Besonders stark ist sie in unseren Breiten von April bis September um die Mittagszeit (11–15 Uhr). In Höhenlagen ab 1000 m nimmt die Intensität um 10–12 % zu. Durch Reflexion von Flächen wie Wasser, Sand, Beton oder Styropor kann sich die Intensität um bis zu 80 % erhöhen. Bewölkung hält die UV-Strahlung nicht ab und auch die Ozonschicht hat Einfluss auf die Stärke der Strahlung.

Wirksamer UV-Schutz für Haut und Augen

Daher ist UV-Schutz zur Vorbeugung von Gesundheitsschäden immer und für alle wichtig. Er kann durch entsprechende Sonnenbrillen und Kleidung mit UV-Schutzfaktor (UVP) bzw. durch Hautschutzprodukte (Schutz gegen UV-B) mit ausreichendem Lichtschutzfaktor (LSF) gewährleistet werden. Dieser gibt an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Ein LSF 50 bedeutet also selbst bei einer minimalen Eigenschutzzeit von 10 Minuten eine Schutzwirkung von über 8 Stunden und bietet einen Schutz von 98 %. Zusätzliche Filter schützen außerdem vor UV-A-Strahlung. In diesem Sinne: Genießen Sie den Sommer gut geschützt!

(c) pixabay-geralt

Lärm und Leistung

Lärm zählt zu den zentralen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, insbesondere in Großraumbüros. Störende Geräusche beeinträchtigen die Konzentration, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden.

Dadurch steigt die mentale Belastung, die Fehleranfälligkeit und die Erschöpfung. Langfristig erhöht sich auch das Stressrisiko. Dabei ist nicht nur die Lautstärke entscheidend, sondern auch, wie vorhersehbar und kontrollierbar Geräusche wahrgenommen werden.

Gemeinsam mit der Technischen Universität Wien setzte IBG deshalb einen Schwerpunkt zum Thema Lärm am Arbeitsplatz. Im Rahmen eines Aktionstags informierten Expert:innen aus den Bereichen Arbeitsmedizin, Ergonomie und Arbeitspsychologie über die Auswirkungen von Lärm am Arbeitsplatz und wirksame Maßnahmen – von der Raumakustik über organisatorische Lösungen bis hin zu einer achtsamen Kommunikationskultur und individuellen Strategien wie Fokuszeiten oder Mikropausen.

Lärmprävention ist ein wichtiger Faktor für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie erfordert mehr als nur technische Maßnahmen: Es braucht auch Bewusstsein, klare Leitlinien für die Zusammenarbeit und Raum für konzentriertes Arbeiten. IBG unterstützt Unternehmen mit maßgeschneiderten Angeboten dabei, nachhaltige Lösungen für mehr Konzentration, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag zu entwickeln und zu etablieren.

(c)https:pexels, karola-g

„Warum Arbeit Gesundheit schafft – Rudolf Karazman im Gespräch bei ORF Burgenland“

Rudolf Karazman im Gespräch über seine Kindheit, seine Motivation und die Frage, warum gesunde Arbeit möglich ist.

Im ORF-Podcast „Mahlzeit Burgenland – Kochen & Tratschen“ war IBG-Gründer Rudolf Karazman zu Gast bei Georg Prenner. Anlass des Gesprächs war ein aktuelles Herzensprojekt: Der Psychiater, Psychotherapeut und Arbeitsmediziner aus Nikitsch hat seine selbst verfassten Gedichtbände über 500 Jahre Geschichte der Volksgruppen vertonen lassen. Passend dazu wurde am Herd Muckalica, ein traditionelles Gericht aus dem südosteuropäischen Raum, zubereitet.

Doch das Gespräch entwickelte sich weit über Kulinarik und Kultur hinaus. Rudolf Karazman sprach über seine Kindheit im Burgenland, den frühen Tod seines Vaters, seine wissenschaftliche Laufbahn und die Frage, die ihn seit Jahrzehnten beschäftigt:

Warum macht Arbeit manche Menschen gesund und stark – und andere krank?

„Wer ist Rudolf Karazman?“

Die Antwort kommt ohne langes Nachdenken.

„Ein neugieriger Mensch.“

Vielleicht beschreibt dieser eine Satz den Gründer von IBG am besten. Denn Neugier zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben – von der burgenländisch-kroatischen Kindheit über das Medizinstudium bis hin zur Entwicklung wissenschaftlicher Modelle, die heute Unternehmen dabei helfen, Gesundheit und Leistungsfähigkeit gemeinsam zu fördern.

Die erste Begegnung mit dem Thema Arbeit

Rudolf Karazman erzählt im ORF-Gespräch sehr persönlich von seiner Kindheit. Seine Eltern arbeiteten als Hilfsarbeiter am Bau beziehungsweise als Bedienerin in Wien. Sein Vater starb früh – wesentlich als Folge der enormen Arbeitsbelastung. Auch viele Onkel, ebenfalls Bauarbeiter, starben früh.

„Wir sind praktisch alle paar Monate auf einem Begräbnis gewesen.“

Für den jungen Rudolf Karazman wurde Arbeit dadurch nicht zuerst zu einem wirtschaftlichen Begriff, sondern zu einer existenziellen Erfahrung. Arbeit konnte Familien ernähren – aber sie konnte Menschen auch krank machen.

Diese Erfahrung ließ ihn nicht mehr los.

„Ins Gymnasium gearbeitet“

Trotz einfachster Verhältnisse hatten seine Eltern eine klare Vorstellung von der Zukunft ihrer Kinder.

Sie sollten ins Gymnasium.

Karazman erzählt mit sichtbarer Dankbarkeit, wie seine Mutter ihn „ins Gymnasium gearbeitet“ hat – ein Ausdruck, den der Moderator sofort aufgreift. Dahinter steckt mehr als Bildungswille. Es war die Überzeugung einer ganzen Generation, dass Bildung der Weg aus körperlich belastender Arbeit sein könnte.

Erst viele Jahre später, während seiner psychotherapeutischen Ausbildung, wurde ihm bewusst, welche Rolle er in seiner Familie übernommen hatte.

Er beschreibt dieses Bild eindrucksvoll: Hinter ihm Dunkelheit und schwere Arbeit, vor ihm das Licht. Seine Aufgabe war es, dieses Licht weiterzutragen.

Warum gerade Psychiatrie?

Die Entscheidung fiel überraschend früh.

Im Philosophieunterricht hörte der Jugendliche zum ersten Mal von Sigmund Freud.

„Das war ein Evidenzmoment.“

Die Vorstellung, dass es ein Unbewusstes gibt und dass Träume Bedeutung haben, faszinierte ihn so sehr, dass sein Berufswunsch feststand.

Ganz geradlinig verlief der Weg allerdings nicht. Erst Mathematik, dann Lehramt, schließlich Psychologie und Medizin – und immer begleitet von Neugier auf den Menschen.

Woran erkennt man gute Arbeit?

Der fachliche Teil des Gesprächs beginnt mit einer einfachen Frage:

Woran merkt man eigentlich, dass man im richtigen Beruf ist?

Karazmans Antwort ist ebenso einfach wie tiefgründig.

Man spürt, dass die Arbeit sinnvoll ist.

Sie interessiert.

Sie erfüllt.

Sie ist wichtig.

Für ihn besitzt Arbeit zwei große Gesundheitspotenziale: Sinn und soziale Einbindung.

Wer beides erlebt, entwickelt sich nicht nur fachlich weiter, sondern wächst auch als Persönlichkeit.

Stress ist nicht der Feind

Eine Aussage überrascht besonders.

„Stress ist etwas Gutes.“

Was zunächst widersprüchlich klingt, erklärt Karazman biologisch. Stress mobilisiert unsere Kräfte, wenn etwas Wichtiges auf dem Spiel steht. Ohne diesen Mechanismus könnten wir nicht überleben.

Problematisch wird Stress erst dann, wenn er kein Ende findet.

Der Mensch braucht Phasen höchster Konzentration – aber ebenso Phasen der Erholung.

Gesundheit entsteht aus diesem Wechsel.

Motivation kann niemand verordnen

Auch beim Thema Motivation widerspricht Rudolf Karazman gängigen Managementmythen.

„Motivation gibt es nicht.“

Gemeint ist: Niemand kann einen anderen Menschen motivieren.

Sinn entsteht im Menschen selbst.

Wenn eine Aufgabe interessiert, wenn sie als wichtig erlebt wird und Gestaltung ermöglicht, entsteht Motivation von allein.

Dann, so sagt Karazman, „fällt die Hälfte der Anstrengung weg.“

Anerkennung ist das Grundnahrungsmittel der Arbeitswelt

Besonders deutlich wird Rudolf Karazman, wenn es um Führung geht.

Viele Führungskräfte glaubten noch immer, zu viel Lob mache Mitarbeitende bequem.

„Das Gegenteil ist der Fall.“

Sein Satz ist inzwischen fast zu einem Markenzeichen geworden:

„Anerkennung ist das Grundnahrungsmittel der Arbeitswelt.“

Wer gesehen wird, entwickelt seine Fähigkeiten weiter.

Wer Anerkennung erlebt, übernimmt Verantwortung.

Wer Wertschätzung erfährt, gibt diese häufig auch an andere weiter.

Deshalb bedeutet gute Führung vor allem eines: Menschen ernst nehmen.

Zuhören statt Anweisen

Im Gespräch beschreibt Karazman auch ein Führungsinstrument, das IBG bereits vor vielen Jahren entwickelt hat.

Im Mitarbeiterentwicklungsgespräch spricht zunächst nicht die Führungskraft.

Sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sie beantworten Fragen wie:

  • Wie möchte ich geführt werden?
  • Was gelingt bereits gut?
  • Was wünsche ich mir künftig?

Die Aufgabe der Führungskraft besteht zunächst darin, zuzuhören.

Erst wenn Führung weiß, was Menschen brauchen, kann sie gute Arbeitsbedingungen gestalten.

Nie aufhören zu wachsen

Zum Schluss wird das Gespräch wieder persönlich.

Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, spricht Rudolf Karazman über seine Familie, neue Bücher und Projekte.

Sein Lebensmotto lautet:

„Nie aufhören zu wachsen.“

Wachstum bedeutet für ihn nicht Karriere.

Es bedeutet, neugierig zu bleiben.

Erfahrungen weiterzugeben.

Neue Ideen zu entwickeln.

Und den Menschen weiterhin mit derselben Frage zu begegnen, die ihn seit seiner Kindheit begleitet:

Was macht Arbeit zu einer Kraft, die Gesundheit entstehen lässt?

Diese Frage prägt die Arbeit von IBG seit der Gründung – und sie bleibt aktueller denn je.

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist längst ein zentraler Wettbewerbsfaktor

MMag. Margit Burger im Gespräch über moderne Arbeitswelten, Führung und nachhaltige Unternehmenskultur

Frau Burger, welchen Stellenwert hat die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute für Unternehmen – auch im Hinblick auf deren Zukunftsfähigkeit?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben hat heute einen sehr hohen Stellenwert. Vor allem im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte ist sie ein entscheidender Faktor geworden. Studien zeigen ganz klar, dass flexible Arbeitsbedingungen und eine passende Unternehmenskultur zu den wichtigsten Kriterien bei der Arbeitgeber:innenwahl zählen – oft sogar wichtiger als Gehalt oder Karrierechancen. Gleichzeitig trägt gute Vereinbarkeit wesentlich zur Motivation und Bindung von Mitarbeiter:innen bei. Wer sich gut unterstützt fühlt, bleibt dem Unternehmen eher treu. Und genau das ist für die Zukunftsfähigkeit entscheidend: Know-how im Unternehmen zu halten.

Oft wird Vereinbarkeit stark mit Elternschaft verbunden. Greift das nicht zu kurz?

Absolut. Das ist eine der häufigsten Verkürzungen. Vereinbarkeit betrifft nicht nur Eltern mit kleinen Kindern. Jeder Mensch hat in unterschiedlichen Lebensphasen Vereinbarkeitsthemen – sei es durch Pflege von Angehörigen, persönliche Interessen oder andere Verpflichtungen. Deshalb ist ein moderner, offener Familienbegriff so wichtig. Unternehmen sollten das Thema bewusst breit denken, damit sich alle angesprochen fühlen.

Sie begleiten seit vielen Jahren Organisationen bei der Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hebel?

Ein ganz wesentlicher Hebel sind die Führungskräfte – sie sind die Kulturträger im Unternehmen. Wenn sie das Thema nicht mittragen, funktionieren auch die besten Maßnahmen nicht. Gleichzeitig ist es wichtig, Vereinbarkeit nicht zu eng zu definieren. Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten oder Telearbeit helfen oft vielen, nicht nur bestimmten Zielgruppen. Und ein weiterer zentraler Punkt ist die Kommunikation: Mitarbeiter:innen müssen wissen, welche Möglichkeiten es gibt.

Wie gelingt es Unternehmen, Vereinbarkeit strategisch zu verankern, statt nur einzelne Maßnahmen umzusetzen?

Der Schlüssel liegt in der Integration in die Unternehmensstrategie. Vereinbarkeit darf kein Nebenprojekt sein. Es braucht klare, messbare Ziele, konkrete Maßnahmen und definierte Verantwortlichkeiten. Außerdem ist ein durchgängiger roter Faden wichtig – also ein kontinuierliches Arbeiten am Thema. Und ganz entscheidend: Die Führungskräfte müssen eingebunden sein und das richtige Mindset mitbringen. Sie sind oft die erste Anlaufstelle für Mitarbeiter:innen.

Welche Rolle spielt eine gute Work-Life-Balance für die Attraktivität eines Unternehmens?

Eine sehr große. Wenn man sich aktuelle Studien ansieht, erkennt man deutlich, dass flexible Arbeitsbedingungen und eine passende Unternehmenskultur einen Großteil der Entscheidungsgrundlage bei der Jobsuche ausmachen. Diese Faktoren haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen – und sie können sogar Gehalt oder Karriereperspektiven übertrumpfen. Unternehmen haben hier also einen wichtigen Hebel, um sich attraktiv zu positionieren.

Sie sprechen oft von einer Win-win-Situation. Wie zeigt sich diese konkret?

Das lässt sich mittlerweile auch gut mit Zahlen belegen. Familienfreundliche Unternehmen erhalten zum Beispiel deutlich mehr Bewerbungen – teilweise rund ein Viertel mehr. Gleichzeitig sinken Fluktuation und Fehlzeiten. Auch die Rückkehr nach Auszeiten gelingt oft schneller. Das sind klare betriebswirtschaftliche Effekte. Und auf Seiten der Mitarbeiter:innen ist der Nutzen ohnehin offensichtlich: mehr Flexibilität, bessere Vereinbarkeit und höhere Zufriedenheit.

Partizipation gilt als zentraler Erfolgsfaktor. Wie können Unternehmen Mitarbeiter:innen sinnvoll einbinden?

Ganz wichtig ist: Es gibt keine Standardlösung. Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Rahmenbedingungen und Bedürfnisse. Deshalb ist es entscheidend, die Mitarbeiter:innen direkt zu fragen – etwa durch Befragungen oder Workshops. Erfolgreich ist eine Kombination aus Top-down und Bottom-up: Das Thema muss von der Führung getragen werden, gleichzeitig müssen die Bedürfnisse aus der Belegschaft kommen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig bei der Umsetzung?

Ein klassischer Fehler ist Maßnahmen-Aktionismus – also viele Einzelmaßnahmen ohne strategischen Zusammenhang. Ebenso problematisch ist es, die Führungskräfte nicht einzubinden oder Vereinbarkeit nur auf Eltern zu reduzieren. Auch mangelnde Kommunikation ist ein Thema: Oft gibt es Angebote, aber sie sind nicht bekannt. Und ein weiterer wichtiger Punkt sind Übergänge – etwa nach Karenz oder Pflegezeiten. Wenn diese schlecht gestaltet sind, kann das viel Vertrauen zerstören.

Was bedeutet eine bedürfnisorientierte Umsetzung in der Praxis?

Vor allem zuhören und fragen. Mitarbeiter:innen wissen am besten, was sie brauchen. In der Praxis bedeutet das oft, unterschiedliche Gruppen zusammenzubringen – Führungskräfte, Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen, Altersgruppen oder Lebenssituationen – und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. So entstehen Maßnahmen, die wirklich zum Unternehmen passen.

Wenn Sie Unternehmen einen zentralen Rat mitgeben könnten: Was ist der wichtigste erste Schritt?

Die Haltung. Unternehmen sollten sich ehrlich fragen: Wollen wir Vereinbarkeit wirklich – oder sehen wir es nur als Image-Thema? Wenn die Haltung stimmt und Vereinbarkeit als Führungs- und Unternehmensziel anerkannt wird, ist das die wichtigste Grundlage für alles Weitere. Unternehmenskultur ist letztlich der entscheidende Treiber.

Vielen Dank für das Gespräch!

MMag. Margit Burger

Lizensierte Auditorin

für die Audits berufundfamilie, hochschuleundfamilie

Zertifizierte Diversity and Inclusion Managerin

Foto (c)Wilke

Gönn deinem Gehirn eine Pause – warum Nichtstun produktiver macht, als wir denken

Die Mittagspause wird ausgelassen, das nächste Meeting wartet bereits. Am Abend wird noch schnell durch Social Media gescrollt, statt wirklich abzuschalten. Pausen gelten in unserer Leistungsgesellschaft oft als Luxus oder sogar als Zeichen von Schwäche. Dabei zeigt die Wissenschaft längst: Unser Gehirn braucht regelmäßige Erholungsphasen, um leistungsfähig, kreativ und gesund zu bleiben.

Viele Menschen glauben, möglichst lange und ohne Unterbrechung arbeiten zu müssen, um produktiv zu sein. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall. Unser Gehirn arbeitet nicht unbegrenzt auf Hochtouren. Spätestens nach etwa 90 Minuten intensiver Konzentration sinken Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit deutlich. Wer dann bewusst eine Pause einlegt, kann anschließend fokussierter, kreativer und effizienter weiterarbeiten.

Warum Pausen für unser Gehirn unverzichtbar sind

Während wir eine Pause machen, passiert im Gehirn weit mehr, als wir vermuten. Es verarbeitet Informationen, verknüpft Wissen und entwickelt neue Lösungsansätze. Besonders das sogenannte Default Mode Network wird aktiv – ein Netzwerk im Gehirn, das bei Ruhephasen wichtige Prozesse wie Kreativität, Selbstreflexion und Problemlösung unterstützt.

Nicht ohne Grund kommen die besten Ideen oft beim Spazierengehen, Duschen oder einfach beim Nichtstun.

Warum fällt uns Pausenmachen so schwer?

Obwohl wir wissen, dass Pausen wichtig sind, überspringen viele sie regelmäßig. Dahinter stecken häufig innere Antreiber wie:

  • „Ich muss produktiv sein.“
  • „Ich darf keine Zeit verschwenden.“
  • „Erst wenn alles erledigt ist, darf ich mich ausruhen.“

Diese Denkmuster führen oft in einen sogenannten Burnout-Loop: Erschöpfung wird ignoriert, Pausen werden ausgelassen und die Leistungsfähigkeit sinkt kontinuierlich.

Dem gegenüber steht der Fitness-Loop: Wer Belastung und Erholung bewusst abwechselt, bleibt langfristig leistungsfähig, gesund und motiviert.

Erholung beginnt im Kleinen

Nicht jede Pause muss lang sein. Bereits kurze Unterbrechungen helfen dem Gehirn, sich zu regenerieren.

Besonders wirksam sind:

  • Mikropausen von wenigen Minuten zwischen konzentrierten Arbeitsphasen
  • Kurzpausen, in denen man aufsteht, sich bewegt oder frische Luft schnappt
  • eine bewusst genutzte Mittagspause ohne Bildschirm
  • regelmäßige Erholungszeiten nach der Arbeit sowie Urlaub, um vollständig abzuschalten

Auch der niederländische Lifestyle-Trend Niksen – die Kunst des bewussten Nichtstuns – zeigt, dass Erholung nicht immer aktiv gestaltet werden muss. Einfach einmal nichts tun, ohne schlechtes Gewissen, kann erstaunlich wirkungsvoll sein.

Pausenkultur ist auch Führungskultur

Nicht nur Einzelpersonen profitieren von regelmäßigen Erholungspausen. Auch Unternehmen können viel dazu beitragen, dass Pausen selbstverständlich werden.

Führungskräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wer selbst Pausen vorlebt, Erholungszeiten respektiert und Mitarbeitende dazu ermutigt, diese auch tatsächlich zu nutzen, schafft die Grundlage für eine gesunde Unternehmenskultur. Denn langfristige Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch ständige Verfügbarkeit, sondern durch das richtige Zusammenspiel von Belastung und Erholung.

Jetzt reinhören

In dieser Podcast-Folge spricht Karin Brandstetter, Arbeitspsychologin bei IBG in Wien, über die Wissenschaft hinter der Pause und erklärt, warum Erholung kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit und mentale Gesundheit ist.

In dieser Episode erfahren Sie unter anderem:

  • warum unser Gehirn nach spätestens 90 Minuten eine Pause braucht,
  • was hinter Burnout-Loop und Fitness-Loop steckt,
  • wie das Default Mode Network Kreativität und Problemlösung unterstützt,
  • welche inneren Antreiber uns vom Pausenmachen abhalten,
  • wie Mikropausen, Mittagspause und Urlaub optimal gestaltet werden können,
  • und wie Unternehmen eine gesunde Pausenkultur fördern.

Eine Episode für alle, die wissen, dass Pausen wichtig sind – sie aber im Alltag trotzdem viel zu oft ausfallen lassen. Denn manchmal ist Nichtstun genau das Produktivste, was wir tun können.