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Autor: Helmut Stadlbauer

Empfehlungen im Umgang mit dem Coronavirus

Kürzer arbeiten wäre doch eigentlich besser

Geld oder Leben? Vor diese lebenswichtige Frage aus dem Gaunermilieu werden wir im »normalen« Arbeitsleben kaum gestellt. Dennoch wäre es gesund, darüber ein wenig nachzudenken. Oder vernünftig. Oder vielmehr: träumen wird man ja noch dürfen …

Was ist für uns in Bezug auf Dauer und Intensität unserer Arbeit normal geworden? In den letzten Jahren, Jahrzehnten? Kaum wer, der bestreitet, dass die Aufgaben mehr und dichter geworden sind. Produktivitätssteigerung heißt das, wohlwollend formuliert. Formal ist die Normalarbeitszeit eher gleich geblieben. Überstunden vielleicht, die mehr wurden? Aber deren Abgeltung rechnen wir ja in unser laufendes Monatsbudget ein, womit wir beim Geld sind. Eigentlich brauchen wir das Ausmaß unserer Arbeit für unseren Lebensstandard.

Wirtschaftswachstum – bzw. dessen Gefährdung – ist das Argument des letzten Jahres gewesen, um bei den Arbeitszeiten noch »flexibler« zu werden. Der 12-Stunden-Tag wurde allen Branchen ohne große Hürden zugänglich gemacht. Freiwillig natürlich … Wird unsere durchschnittliche Wochenarbeitszeit dadurch gleich bleiben? Oder doch ansteigen? Belastbare Zahlen fehlen dazu noch.

Zeitdruck, Stress, fehlende Pausen, ständiger Druck über das ganze Jahr hin – steigendes Burnout-Risiko ist nach wie vor für viele ein Thema. Immer bessere Studien zeigen den erschreckend hohen Anteil derer, die schon gefährdet oder beeinträchtigt sind. Die wissenschaftlich belegbaren Folgen von längerer Wochenarbeitszeit sind erdrückend klar: Gesundheitsbeschwerden in alle Richtungen – Muskeln, Gelenke, Psyche, Schlaf – alles wird mit steigender Arbeitszeit kontinuierlich mehr belastet. Wir spüren es ohnehin, wenn wir ehrlich sind.

Immer mehr, immer intensiver?

War da nicht etwas, von wegen Digitalisierung und Automatisierung? Sollten uns nicht die Maschinen von unserer Arbeit entlasten? Wir sollten doch weniger arbeiten müssen, wenn die Computer und Automaten für zunehmenden Produktivitätszuwachs sorgen? Wo ist hier der Denkfehler? In der Realität verschwinden die Arbeitsplätze eher, die automatisiert wurden – die verbleibende Arbeit verteilt sich nicht auf alle. Es gibt sie, jene die »abgebaut« werden – häufig Ältere, oder die, die nicht mehr ohne Einschränkung mitkönnen. Ja, sozial abgefedert, aber trotzdem oft demotiviert, und eines wichtigen Sinns ihres Lebens beraubt. Wie lange können wir uns aber Frühpensionierungen und Arbeitslosigkeit als Gesellschaft noch leisten?

Wie viel Arbeit braucht der Mensch?

Wie viel Arbeit brauchen wir eigentlich mindestens, um gesund zu bleiben? Da gab es neulich eine Untersuchung der Universität Cambridge: es sind 8 (in Worten: acht!) Wochenstunden. Das ist das Ausmaß, nachdem vorher Arbeitslose wieder das gleiche Gesundheitsniveau von Arbeitenden erreichen. Wäre es also nicht gesünder, deutlich weniger zu arbeiten, als die derzeitigen 38 bis 40 Stunden, oder 42 – durchschnittliche Überstunden eingerechnet. Ein überwiegender Teil der Vollzeit-Arbeitenden wünscht sich das (Teilzeit-Arbeitende umgekehrt, aber das ist eine andere Geschichte). Gesünder wäre es jedenfalls, sagen alle Studien! Also liegt es wohl nur daran, dass wir es uns finanziell nicht leisten können?! Das betrifft vor allem die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens – in einer Höhe, bei der man auch ohne Arbeit ein menschenwürdiges Leben führen kann, also deutlich höher angesiedelt als derzeitige Sozialhilfe-Modelle. Wer könnte das bezahlen?

Es gibt interessante Denkansätze:
Zum Beispiel die steigenden Kapitalgewinne von Unternehmen nicht über Steuern der Allgemeinheit zugänglich zu machen – die Nachteile kennen wir: Umgehungskonstruktionen und Abwürgen von unternehmerischer Motivation. Eine Alternative: Staaten beteiligen sich in einem relevanten Ausmaß an verschiedensten privaten Unternehmen, und kommen damit direkt in den Genuss von Gewinnausschüttungen. Das hat nichts mit alten verstaatlichten Modellen zu tun, ganz im Gegenteil. Die Allgemeinheit profitiert von Globalisierung, Effizienzsteigerung und Kapitalgewinn. Der Staat wird zum Shareholder.

Nicht nur Sozialtheoretiker halten diesen Ansatz für interessant, inzwischen auch gestandene Wirtschaftswissenschafter. Zugegeben, es klingt visionär. Einzelne praktische Umsetzungen gibt es, z.B. Staatsfonds wie in Norwegen. Ein anderer Weg: eine Finanztransaktionssteuer in verblüffend geringer Höhe würde reichen.

Die Vision der sinnstiftenden Arbeit

Jedenfalls ist die Vision der selbstgewählten, sinnstiftenden Arbeit ohne den Zwang der Sorge für den Lebensunterhalt für sich und die Familie recht verlockend. Apropos: im November lief die Eintragungsfrist für das Volksbegehren »Bedingungsloses Grundeinkommen«.

Trends wie der Fachkräftemangel verstärken das momentane Ungleichgewicht. Auch die immer öfter beklagte laxe Arbeitsmotivation der sehr jungen Generationen, die »uns Alten« unverständlich erscheint und die wir glauben kompensieren zu müssen. Aber ist nicht genau diese Einstellung der Jungen die vernünftigere und gesündere – die uns Hoffnung geben darf? Oder auch das Beispiel der Firma eMagnetix in OÖ: 30 statt 38,5 Wochenstunden bei gleichem Gehalt – die Arbeitsabläufe wurden sinnvoll verkürzt ohne Pausen zu streichen, und alle fühlen sich gesünder und wohler.

Vielleicht ist Änderung der politischen Stimmung ein erster zaghafter Schritt hin zu neuen Möglichkeiten? Nachhaltigkeit nicht nur in Sachen Umwelt, auch was eine menschlichere Arbeitswelt angeht? Träumen wird man ja noch dürfen …

AUTOR: HELMUT STADLBAUER

IBG HumanWorks Kuenstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Die Arbeit dreht sich schneller

Phänomenale Fortschritte in Bild- und Spracherkennung, autonomes Fahren, selbstlernende Bots – die Technik lehnt sich an biologische Vorbilder an und macht sich so für uns Menschen attraktiver, faszinierender, intelligenter.

Dabei reden wir von sogenannter schwacher künstlicher Intelligenz (KI), weil es bisher nur um Teilgebiete menschlicher Fähigkeiten geht. In den neuen Algorithmen, genannt neuronale Netze, werden Verbände von Nervenzellen im Gehirn simuliert, und so Ergebnisse erzielt, die man bisher nicht für möglich hielt. Die Maschinen lernen, können verstehen, sprechen, planen und treffen selbstständig Entscheidungen. Dabei stehen wir erst am Anfang, die Lawine der Digitalisierung ist in rasanter Bewegung.

Wichtige Digitalisierungsthemen, die eng mit KI zusammenhängen, wurden in der Digital Roadmap 2016 von der Bundesregierung dargestellt (Welche Regierung war das noch schnell? ;-))

Bis 2025 sollen demnach bedeutsam sein: 

  • 5G-Mobilfunk: um das „Internet der Dinge“ zu ermöglichen – die Vernetzung
    von Geräten und Maschinen, im Speziellen auch selbstfahrender Autos
  • Big Data: die Gewinnung neuer Erkenntnisse aus großen Datenmengen
  • Wissen soll zugänglicher für alle werden
  • Virtuelle und erweiterte Realität mit Hilfe von Brillen und Bildgeräten.
  • 3D-Druck in ungeahntem Ausmaß und intelligente Materialien
  • Intelligente Energienetze
  • Blockchain-Technologie zur Zertifizierung elektronischer Transaktionen in vielen Bereichen.

Durch den Einsatz von KI wird sich das Wirtschaftswachstum bis 2035 verdoppeln, sagen Prognosen des Beratungs-unternehmens Accenture. Die Frage ist, welche Veränderungen das für unsere Arbeitswelt bringt. Klar ist die ungebrochene Verdichtung und Beschleunigung von Arbeit. Neue Arbeitsbedingungen verändern die Lebensumstände der Menschen, positiv wie negativ. Homeoffice-Tätigkeit sei als Beispiel herausgegriffen. Mehr Flexibilität wird erwartet – zeitlich, örtlich, inhaltlich. Weiterbildung ist ständige Notwendigkeit. Die Sorge um den Schutz unserer persönlichen Daten und unserer Privatsphäre nimmt zu, genauso wie die Anstrengungen um die Sicherheit von Firmennetzen.

Arbeitslosigkeit als Schreckgespenst

Davon sollen vor allem Routinejobs mit mittlerer Qualifikation betroffen sein, etwa in Verwaltung, Infrastruktur, Banken, Versicherungen. Der „Popstar“ unter den deutschsprachigen Philosophen Richard David Precht meinte: „Der Busfahrer, der seinen Job verliert, wird nicht Big-Data-Analyst werden.“ Insofern sind soziale Umbrüche nicht unwahrscheinlich, hoffentlich nicht auch größere Unruhen. Hier ist die Politik gefordert. Als ein Instrument des sozialen Ausgleichs ist ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Denkmöglichkeit. Zu dessen Umsetzung sind intelligente Ansätze zum Aufbringen der Mittel notwendig – ohne wirtschaftliche Initiative und Produktivität abzuwürgen. Zumindest in der Theorie gibt es diese Möglichkeiten.

Wir sollten nicht zu klein denken und uns ruhig Visionen erlauben. Intelligenten Maschinen könnten uns monotone, körperlich überfordernde Arbeit abnehmen, für unser materielles Auskommen sorgen, uns die Chance auf ein sinnerfülltes und selbstbestimmtes Leben eröffnen.

Menschliche Arbeit machen wir dann vorwiegend noch aus Freude am Tun, am Denken, am Kreativsein, und um zu spüren, dass wir leistungsfähig und soziale Wesen sind. Arbeit als menschliches Urbedürfnis, als Motor für persönliche Entwicklung und Stütze des Selbstwertes. So wird diese zur Quelle von Gesundheit und Wohlbefinden. Das ist übrigens die IBG-Vision, die uns in unserem Tun schon heute antreibt. Im Idealfall nähern wir uns diesem Traum mit KI schneller an. Das exponentielle Wachstum der Rechengeschwindigkeit von Computern ist ungebrochen, auch wenn es gewisse theoretische Grenzen gibt – welche durch neue Technologien vielleicht wieder überschritten werden. Etwa durch Quantencomputer, welche herkömmliche Verschlüsselungen locker  knacken könnten. Gleichzeitig ist die Quantenkryptographie theoretisch fertig entwickelt, die Daten-transfers absolut sicher machen kann. Übrigens: Österreichische Universitäten sind in der Forschung des Quantencomputings führend. Die Linzer Johannes-Kepler-Universität bietet ab Herbst als eine der ersten Universitäten Europas ein Studium „Artificial Intelligence“ an.

Exponentiell wachsende Rechenstärke

Durch exponentiell wachsende Rechenstärke rückt die Vision näher, intelligente Systeme zu erschaffen, die an die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns heranreichen oder diese überschreiten. Diese Fähigkeit wird als starke KI oder Superintelligenz bezeichnet. Hier wird es wirklich gruselig. Politik und Forschung sind gut beraten, sich schon jetzt Gedanken über Vorsichtsmaßnahmen zu machen – später einfach den Stecker ziehen zu wollen, wird nicht mehr funktionieren, die Superintelligenz würde es zu verhindern wissen … Soweit sind wir aber noch nicht.

Uns beschäftigten in den Unternehmen der Gegenwart die spürbaren Auswirkungen der laufenden KI-Revolution, etwa ergonomische Fragen durch immer mehr Bildschirme und Kontrolltätigkeit, psychische Belastungen durch die Beschleunigung und eine gewisse Entmenschlichung. Aber auch Erleichterungen durch neue Entwicklungen wie Exoskelette, um die Wirbelsäule zu unterstützen, erinnern beinahe schon an Androidwesen aus Science-Fictions.

Auch IBG kann interessante Daten liefern, die wir Ihnen unter striktem Datenschutz über unsere neuen Kundenportale und als Balanced Health Card nutzbar machen wollen. Dabei erscheint uns die Menschlichkeit und Persönlichkeit in der Führung von Mitarbeitenden wichtiger als je zuvor. Um erfolgreich zu sein, sind wir in unserer humanen und emotionalen Intelligenz immer noch gefordert.

Und das ist gut so.