Zeitumstellung: Eine Stunde mehr Schlaf löst das Problem nicht

In der Nacht auf Sonntag, den 25. Oktober, werden die Uhren um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Österreich kehrt damit von der Sommerzeit zur Normalzeit zurück. Die zusätzliche Stunde Schlaf klingt zunächst erfreulich. Aus arbeitsmedizinischer Sicht wirft die Zeitumstellung jedoch eine grundsätzlichere Frage auf: Wie gut passen unsere Arbeitszeiten eigentlich zu unserer inneren Uhr?

Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass Licht, Schlafrhythmus und der individuelle Chronotyp entscheidend dafür sind, wie gut Menschen mit vorgegebenen Arbeitszeiten zurechtkommen.

Normalzeit unterstützt den natürlichen Rhythmus

Die Umstellung im Herbst fällt der inneren Uhr meist leichter als jene im Frühjahr. Dennoch verschiebt sich auch jetzt das Verhältnis zwischen äußerer Uhr und unserem biologischen Rhythmus.

„Wir diskutieren zweimal im Jahr über eine Stunde Zeitverschiebung. Dabei leben viele Menschen das ganze Jahr über gegen ihre innere Uhr“, sagt Dr. Helmut Stadlbauer, Arbeitsmediziner und Leiter des Bereichs Gesunde Arbeitszeiten bei IBG. „Entscheidend ist, wie gut Arbeitszeiten, Tageslicht und der individuelle Schlaf-Wach-Rhythmus zusammenpassen.“

Aus arbeitsmedizinischer Sicht spricht daher einiges für eine dauerhafte Normalzeit – umgangssprachlich Winterzeit. Sie sorgt insbesondere in den Wintermonaten dafür, dass morgens früher Tageslicht zur Verfügung steht.

Tageslicht gibt unserer inneren Uhr den Takt vor

Licht ist der wichtigste äußere Taktgeber unserer inneren Uhr. Besonders Morgenlicht hilft dabei, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Das ist gerade für Menschen relevant, die einen Großteil ihres Arbeitstages in Innenräumen verbringen.

Ein Spaziergang am Morgen oder Tageslicht auf dem Arbeitsweg kann bereits helfen. Auch Bewegung im Freien unterstützt einen stabilen Rhythmus. Abends sollte sehr helles Licht hingegen möglichst reduziert werden.

Frühe Arbeitszeiten benachteiligen „Eulen“

Nicht alle Menschen sind zur gleichen Tageszeit leistungsfähig. Während Frühtypen – die sogenannten „Lerchen“ – morgens rasch in Schwung kommen, werden Spättypen oder „Eulen“ später müde und erreichen ihre volle Leistungsfähigkeit entsprechend später.

Viele Arbeitszeiten orientieren sich dennoch an frühen Beginnzeiten. Für ausgeprägte Spättypen kann dadurch ein dauerhafter „sozialer Jetlag“ entstehen – also eine Diskrepanz zwischen biologisch bevorzugten Schlafzeiten und gesellschaftlichen Vorgaben.

„Wer regelmäßig zu einer Zeit Höchstleistung erbringen soll, zu der der Körper biologisch noch auf Schlaf eingestellt ist, startet mit einem strukturellen Nachteil in den Arbeitstag“, erklärt Stadlbauer. Flexible Arbeitszeiten können daher einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Prävention leisten.

Die Zeitumstellung ist nur ein Teil des Problems

Eine Stunde Zeitverschiebung zweimal im Jahr ist aus arbeitsmedizinischer Sicht weniger entscheidend als dauerhafter Schlafmangel, zu wenig Tageslicht und regelmäßiges Arbeiten gegen die eigene innere Uhr.

IBG empfiehlt deshalb, Arbeitszeiten dort zu flexibilisieren, wo es betrieblich möglich ist, Tageslicht am Arbeitsplatz bewusst zu fördern und sehr frühe Beginnzeiten kritisch zu hinterfragen.

Für die Tage rund um die Zeitumstellung gilt: Die gewohnte Schlafdauer möglichst beibehalten, morgens Tageslicht nutzen und sich tagsüber ausreichend bewegen. Besonders bei Schichtarbeit oder hoher Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen des Schlafrhythmus sind ausreichender Schlaf und Erholungszeiten wichtig.

Gesunde Arbeitszeit orientiert sich nicht nur an der Uhr, sondern auch an der Biologie. Denn die innere Uhr lässt sich nicht einfach per Knopfdruck umstellen.