Besonders Spättypen können durch frühe Beginnzeiten benachteiligt sein. Flexible Arbeitszeiten können Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützen.
Schlafmangel, zu wenig Tageslicht und dauerhaftes Arbeiten gegen die innere Uhr sind für die Gesundheit relevanter als eine Stunde Zeitverschiebung.
Herbstumstellung meist leichter für die innere Uhr
„Wir diskutieren zweimal im Jahr über eine Stunde Zeitverschiebung. Dabei leben viele Menschen das ganze Jahr über gegen ihre innere Uhr“, sagt Dr. Helmut Stadlbauer, Arbeitsmediziner und Leiter des Bereichs Gesunde Arbeitszeiten bei IBG. „Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist deshalb nicht nur die Zeitumstellung relevant. Entscheidend ist, wie gut Arbeitszeiten, Tageslicht und der individuelle Schlaf-Wach-Rhythmus zusammenpassen.“
Tageslicht als Taktgeber der inneren Uhr
Für die Arbeitswelt ist das besonders relevant. Viele Beschäftigte verbringen einen Großteil des Tages in Innenräumen und bekommen insbesondere in den Wintermonaten morgens wenig natürliches Licht. Die Rückkehr zur Normalzeit hat hier einen Vorteil: Das Tageslicht steht morgens wieder früher zur Verfügung. „Morgenlicht ist für unsere innere Uhr besonders wertvoll“, erklärt Stadlbauer. „Wer morgens Tageslicht bekommt, unterstützt die Synchronisation des eigenen Tag-Nacht-Rhythmus. Das klingt banal, ist aber gerade bei Büroarbeit, Homeoffice und langen Arbeitstagen ein wichtiger Gesundheitsfaktor.“
Eulen haben im Arbeitsleben einen Nachteil
„Wer regelmäßig zu einer Zeit Höchstleistung erbringen soll, zu der der Körper biologisch noch auf Schlaf eingestellt ist, startet mit einem strukturellen Nachteil in den Arbeitstag“, so Stadlbauer. „Flexible Arbeitszeiten sind deshalb nicht nur ein Benefit für Mitarbeiter. Richtig eingesetzt sind sie eine Maßnahme für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Prävention.“
IBG empfiehlt Normalzeit und mehr Flexibilität
Mindestens ebenso wichtig ist die Gestaltung des Arbeitsalltags. Wo es betrieblich möglich ist, können flexible Beginnzeiten helfen, unterschiedliche Chronotypen besser zu berücksichtigen. Auch ausreichend Tageslicht am Arbeitsplatz, Bewegung im Freien und ein bewusster Umgang mit sehr frühen Arbeitsbeginnzeiten sollten Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge sein.
Tipps für die Tage rund um die Zeitumstellung
Besonders hilfreich ist Tageslicht am Morgen – etwa bei einem Spaziergang oder auf dem Arbeitsweg. Bewegung tagsüber unterstützt zusätzlich einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus. Abends sollte sehr helles Licht möglichst reduziert werden. Wer Schichtarbeit leistet oder empfindlich auf Veränderungen des Schlafrhythmus reagiert, sollte besonders auf ausreichend Schlaf und Erholungszeiten achten.
Gesunde Arbeitszeit orientiert sich auch an der Biologie
„Gesunde Arbeitszeit bedeutet nicht, dass alle Menschen zur gleichen Uhrzeit beginnen und enden müssen“, fasst Stadlbauer zusammen. „Wir sollten Arbeitszeit dort flexibilisieren, wo es möglich ist, Tageslicht bewusster nutzen und Schlaf als wesentliche Voraussetzung für Leistungsfähigkeit verstehen. Die innere Uhr lässt sich schließlich nicht per Knopfdruck umstellen.“
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