Psychische Entlastung: So kommen Sie gesund durch die Pandemie

  • Zusperren und Öffnen des eigenen Betriebs, Aufmachen und Schließen der Schulen, Wechsel des Arbeitsplatzes vom Büro ins Homeoffice und retour: Die Ungewissheit der Pandemie sorgt für eine deutlich gesteigerte psychische Belastung jedes einzelnen.
  • Optimismus und Widerstandsfähigkeit sind Eigenschaften, die gepflegt werden müssen. Wer sich ganz und gar den unangenehmen Emotionen hingibt, läuft Gefahr auszubrennen.
  • Um trotz der Einschränkungen positiv und motiviert zu bleiben, gibt IBG-Arbeitspsychologin Regina Nicham Tipps für die innere Stärkung gegen die Entmutigung.

Wien, 9.3.2021. Das Corona Virus ist noch immer ein ständiger Begleiter. Wichtig ist, mit dieser Situation, die nun schon seit einem Jahr anhält, umgehen zu lernen. Oft braucht es eine psychische Stütze, um der herausfordernden Situation aktiv zu begegnen. Regina Nicham, Leiterin des Bereichs Arbeitspsychologie von IBG, liefert neun Tipps, mit denen die Krise besser bewältigt werden kann.

Selbstfürsorge

Gerade in Zeiten, in denen man das Gefühl hat, fremdbestimmt zu sein und an der eigenen Situation nichts ändern zu können, sollte Selbstfürsorge an oberster Stelle stehen. Stellen Sie sich bewusst die Frage: Was tut mir gut? Was mache ich gerne? Widmen Sie sich bewusst Ihren persönlichen Kraftquellen und füllen Sie diese von Zeit zu Zeit auch wieder auf.

Fokus auf Positives

Eine Situation hat meistens positive und negative Aspekte. Schaffen wir es also, in scheinbar ausweglosen Situationen positive Anteile zu finden, können wir uns Handlungsspielraum zurückerobern. Auch wenn sich die Situation selbst dadurch nicht verändert, unsere Einstellung und unser Handeln sind abhängig davon, worauf wir uns konzentrieren. Lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten, die Ressourcen, die »Ist-Seite«, wird uns der Umgang leichter fallen.

Akzeptanz und Gelassenheit

Zu lernen unsichere und unwägbare Situationen im Leben zu akzeptieren und anzunehmen, hilft uns besser damit umzugehen, anstatt unsere wertvolle Energie in Verdrängen oder Widerstand zu investieren. Dabei geht es nicht darum, dass man die aktuelle Situation und die dadurch ausgelösten Gefühle toll finden muss. Es geht vielmehr darum der Tatsache und den Gefühlen bedingt Raum zu geben, weil der Kampf gegen sie diese nur stärker machen würde. Denn was nützt einem der Kampf gegen eine Sache, der dieser Kampf egal ist? Versuchen Sie unangenehme Gefühle zu registrieren, zu benennen, aber nicht darauf zu reagieren und sie wieder ziehen zu lassen. Und wenn ich es nicht ändern kann, vielleicht kann ich es für mich nutzbar machen? Was hat sich durch die Situation für mich verbessert, hilfreiche Erfahrungen, Möglichkeiten – Zeit nehmen, überlegen und einfach einmal aufschreiben.

Sich abgrenzen

Gerade im Homeoffice ist es umso wichtiger, sich mit den Grenzen zwischen Privatem und Beruflichen zu beschäftigen und diese klar zu setzen. Sei es organisatorisch, indem konkrete Vereinbarungen über Arbeitszeiten und Erreichbarkeiten mit Vorgesetzten und Kolleg*innen getroffen werden oder auch räumlich, indem man sich einen klar abgegrenzten Bereich mit allem Notwendigen für die Arbeit einrichtet. Der Arbeitsplatz sollte darüber hinaus so gestaltet werden, dass er die eigene Produktivität möglichst fördert – denn je wohler wir uns in unserer Umgebung fühlen, umso motivierter sind wir auch.

Pausen und Erholung

Auch wenn die aktuelle Zeit von ungewöhnlichen Herausforderungen geprägt ist, achten Sie darauf, dass Sie sich regelmäßig kurze Pausen und Auszeiten nehmen, um zwischendurch für ein wenig Entspannung zu sorgen. Frischluft schnappen, sich bewegen, bewusste Atemübungen, Abwechslung sowie ausreichend trinken helfen, um gut über den Tag konzentriert bleiben zu können. Nicht vergessen, Bewegung und körperlicher Ausgleich steigern das Wohlbefinden und unterstützen beim Stressabbau.

Informellen Austausch beibehalten

Wenn man von zuhause aus arbeitet, kann zwar die Produktivität steigen, weil informelles Geplauder und unnötige Wege zwischendurch wegfallen, aber gerade das sind Momente durch die wir uns – meist unbewusst – auch wieder erholen. Kontaktieren Sie deshalb trotzdem auch immer wieder Kolleg*innen und tauschen Sie sich ein wenig aus. Das kann auch dem Gefühl von Einsamkeit, unter dem viele im Homeoffice leiden, entgegenwirken.

Tagesrückblick

Analysieren Sie Ihre Tage im Homeoffice. Was haben Sie geschafft? Loben Sie sich dafür und gönnen Sie sich immer wieder auch kleine Belohnungen. Wenn was nicht geschafft wurde, wichtig zu hinterfragen, aus welchen (guten) Gründen und daraus konkrete Maßnahmen für sich definieren. Das Wichtigste hierbei aber ist: bewerten Sie sich nicht als Person, sondern versuchen Sie nach konkreten Anhaltspunkten zu suchen, was »schiefgelaufen« sein könnte, um daran arbeiten zu können.

Ziele setzen

Um Durststrecken besser durchzustehen, ist es hilfreich sich (realistische) Ziele zu setzen und den Weg dorthin in mehrere Abschnitte zu unterteilen. Das Wesentliche dabei ist, dass die Konzentration dadurch auf aktuell wichtige Dinge ausgerichtet ist und auch Teilerfolge wahrgenommen werden können.

Unterstützung annehmen

Wenn es uns allein nicht gelingt, einen Weg zum Umgang mit aktuellen Veränderungen und Herausforderungen zu finden, kann es durchaus hilfreich und bereichernd sein, die eigenen Gedanken mit anderen zu teilen. Das können Personen sein, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und über ihre eigenen Erfahrungen berichten, es können aber auch Familienmitglieder, Freunde oder Expert*innen sein. Oft kann das Einholen der Außensicht dabei helfen, Distanz zu bekommen, die eigene Denkweise zu verändern und die Dinge vielleicht positiver und lösungsorientierter zu sehen.

 

IBG GmbH, gegründet 1995, ist mit über 165 MitarbeiterInnen, davon 70  ArbeitsmedizinerInnen, Österreichs größte Unternehmensberatung im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement. IBG ist in ganz Österreich vertreten.

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